Albrecht Dürer

Der heilige Eustachius

Details

Bartsch 57; Meder 60 b (von k); Schoch/Mende/Scherbaum 32 b (von k).

Beschreibung

Ganz ausgezeichneter, kontrastreicher und tiefschwarzer, früher Abdruck mit den Horizontalen über den äußersten linken Bergkonturen, über dem rechten Arm und der Schulter des Heiligen. Auf Einfassungslinie geschnitten, rechts unten knapp innerhalb der Darstellung. Selten so schön.
Der dem Format nach größte Kupferstich Dürers zählt zu den Hauptblättern des Künstlers und ist in guten Abdrucken selten. Eustachius war der Legende nach ein römischer Offizier in der Armee Kaiser Trajans. Auf der Jagd wurde er durch die Begegnung mit einem Hirsch, der das Kruzifix im Geweih trug, zum Christentum bekehrt, später erlitt er den Märtyrertod. Als Jagdpatron und einer der vierzehn Nothelfer war er im ausgehenden 15. Jahrhundert sehr populär.
Der Stich zeigt die Meisterschaft Dürers in der Wiedergabe von Naturformen in ihren unterschiedlichen Beschaffenheiten auf einem Höhepunkt. Jedes Detail, ob in der Nahsicht oder im fernen Landschaftsausblick, ist mit derselben Akribie behandelt. Besondere Aufmerksamkeit erhalten das Pferd und die fünf Windhunde des Jägers, die alle bis auf eine Ausnahme in reiner Seitenansicht und ohne Überschneidungen gezeichnet und mit einem gewissen Horror vacui gleichmäßig über die Fläche verteilt sind. „Mit seinem „Naturalismus“ macht sich der Künstler gewissermaßen den Kniefall des Heiligen vor der Kreatur zu eigen (…) die Verehrung Christi geht einher mit der Verherrlichung der Schöpfung“ (Schoch).
Dürer schätzte dieses Blatt besonders. So führte er, wie aus seinem Tagebuch hervorgeht, auf der niederländischen Reise in den 1520er Jahren noch Drucke vom Eustachius zum Verschenken oder zum Verkauf mit sich, die er bereits rund zwei Jahrzehnte zuvor gestochen hatte. – Links im Himmel minimal angeschmutzt, verso mit zwei horizontal verlaufenden, kaum merklichen kleinen Papierausdünnungen, vereinzelt winzige Randmängel, ansonsten sehr schön.