Karl & Faber – Die Kunst der Sammlung im Lauf der Geschichte

Vor bald 100 Jahren, nämlich 1923 gründen der Kunsthistoriker Georg Karl und der Germanist Curt von Faber du Faur das Auktionshaus in München. Der Schwerpunkt des Kunst- und Literaturantiquariats liegt zunächst auf Buchverkäufen und -versteigerungen im Gärtnerplatzviertel, später am Karolinenplatz.

Die erste Auktion findet 1927 statt: Das Spitzenlos „Der abenteuerliche Simplicissimus“ von Grimmelshausen aus der Sammlung Victor Manheimer erzielt ein für damalige Verhältnisse sehr stattliches Ergebnis von 1750 Goldmark. Bereits zwei Jahre später verlässt Curt von Faber du Faur die Firma. Nach einem längeren Aufenthalt in Florenz emigriert er 1939 in die USA. Dort folgt er 1944 dem Ruf der Yale University, wo er fortan als Professor lehrt und forscht.

Georg Karl führt nun die Geschäfte allein – mit bedeutenden Auktionen. Unter seiner Ägide werden bibliophile Kostbarkeiten aus der Bibliothek des Augsburger Patriziers Marcus Fugger (1529–1597) ebenso versteigert wie Werke aus der Sammlung der Fürsten Oettingen-Wallerstein. Die 25. und letzte Auktion während des Zweiten Weltkriegs wird 1944 aus Sicherheitsgründen nach Murnau verlegt. In den Nachkriegsjahren wird in der 30. Auktion des Hauses erstmals Kunst gesondert versteigert.

Louis Karl, der damals 19-jährige Sohn von Georg Karl, tritt 1961 als Auktionator ins Unternehmen ein, das er zehn Jahre später als Alleininhaber übernimmt. Nach und nach verlagert er den Schwerpunkt des Hauses vom Buch auf die Kunst und leitet den Aufbruch in die Moderne ein. Es beginnt eine intensive Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Sammlern, die über Jahrzehnte hinweg zu den wichtigsten Kunden des Hauses gehören. Louis Karl initiiert zudem Ausstellungen und versteigert erfolgreich bedeutende Sammlungen. So kommt 1981 im Münchner Auktionshaus die Sammlung von Reinhard Piper unter den Hammer. Der Verleger war ein enger Freund der Künstler Barlach, Beckmann und Kubin. Aufsehen erregt 1979 auch die 150. Auktion – die Versteigerung von Papierarbeiten der Romantik, die von der Familie Haniel stammen.

Im Jahr 2003 erwerben Dr. Rupert Keim und seine Familie das Unternehmen. Hauptgesellschafterin wird Keims Schwägerin Nicola Keim. Als Angehörige einer kulturfördernden deutschen Unternehmerfamilie liegt ihr die Kunst sehr am Herzen. Die neue Geschäftsleitung erweitert das Auktionsangebot um Zeitgenössische Kunst und baut das Unternehmensnetzwerk aus. Es entstehen Repräsentanzen an mehreren Standorten in Deutschland sowie in Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritannien und den USA. Gleichzeitig knüpft Dr. Rupert Keim an die Tradition des Hauses an und leitet mit großem Erfolg bedeutende Auktionen.

So versteigert Karl & Faber 2007 die Sammlung Walter Bareiss, 2010 einen Teil der Sammlung Marvin und Janet Fishman – die erfolgreichste deutsche Auktion einer Einzelsammlung deutscher Kunst der 1920er- und 1930er-Jahre – und 2015 „Druckgrafik des deutschen Expressionismus“ aus der Sammlung Ahlers.  Bei der Versteigerung ausgewählter Werke aus der Sammlung Gunter Sachs kann das Kunstauktionshaus Karl & Faber im Jahr 2014 dank großer Nachfrage und starker internationaler Beteiligung nahezu alle Lose zuschlagen. Ebenfalls sehr erfolgreich verläuft 2018 die Auktion der Hamburger Sammlung Preuss mit dem Sonderkatalog „Reiz der Linie” – mit zeitgenössischen Arbeiten auf Papier von Lucebert bis Tuttle. Die Verkaufsquote beträgt knapp 170 Prozent nach Schätzung. Im gleichen Jahr erzielt eine Sammlung mit Papierarbeiten von Gugginger Künstlern (Art Brut) eine sensationelle Verkaufsquote von 100 Prozent nach Losen.

Dank einer innovativen Digitalstrategie und Kooperationen mit führenden Online-Auktionsportalen baut Karl & Faber seine Reichweite immer weiter aus. Im Jahr 2019 bieten bei den Auktionen zahlreiche Kunden aus 92 Ländern mit. Und 2020 trotzt das Münchner Kunstauktionhaus dem Pandemiejahr mit einem Rekordjahresumsatz von knapp 20 Millionen Euro. Höhepunkt dieses denkwürdigen Jahres ist die Sonderauktion „Tendenzen der Abstraktion”. In ihr werden museale Werke aus einer Ulmer Privatsammlung versteigert – von Kandinsky über Uecker bis Christo. Mit über zwei Millionen Euro übertrifft der Erlös dieser Versteigerung die Taxen um 150 Prozent!
Karl & Faber zählt heute zu den dynamischsten Auktionshäusern der D-A-CH-Region.