Albrecht Dürer

Das Wappen mit dem Totenkopf

Details

Bartsch 101; Meder 98 I a (von II d); Schoch/Mende/Scherbaum 37 I a (von II d).
Provenienz:
P. Mariette II., verso handschriftlich mit dem Ankaufsdatum „1661“ (Lugt 1788).

Beschreibung

Hervorragender, tiefschwarzer und kontrastreicher Abdruck, vor dem Glitsch und den Wischspuren (bis auf eine kleine Wischspur rechts der Helmdecke). Auf die bzw. knapp innerhalb der Plattenkante geschnitten mit kleinem Rändchen um die Einfassungslinie. Obwohl Meder das Krüglein-Papier für I c Abdrucke nennt und um 1525 datiert, ist vorliegender Abzug doch früher enstanden. So erscheint das Krüglein bereits auf vielen französischen Papieren des ausgehenden 15. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende. Aufgrund der hervorragenden Druckqualität und der fehlenden Wischspuren, die ab dem Meder b-Zustand zu erkennen sind, ist vorliegendes Blatt ein früherer Abdruck.
Das Blatt zählt aufgrund seines dekorativen Reichtums, der spannungsreichen Komposition und stecherischen Brillanz zu den graphischen Hauptblättern Dürers. Es zeigt eine junge Nürnberger Patrizierin in Tanzkleid und mit Brautkrone, bedrängt von einem zottig behaarten, wilden Mann, der seine Aufgabe als Wappenschildhalter im Moment vergessen zu haben scheint. In Anbetracht des prächtigen Stechhelms, dessen Riemen sie fest im Griff hält, lässt sie sich seine Zudringlichkeit gefallen: Ihr Blick ruht gefällig auf dem Wappen des Freiers, dessen Vorderseite mit dem Totenkopf ihr aber verborgen bleibt. In der Darstellung verschmelzen verschiedene Motive wie das ungleiche Paar, der Tod und das Mädchen und die Nichtigkeit menschlicher Statussymbole zu einem eindrucksvollen Memento mori. – Kaum sichtbarer, kleiner restaurierter Riss in der oberen linken Ecke, zwei winzige hinterlegte Löchlein in unterer linker Ecke. Vereinzelt winzige Braunfleckchen im Weiß des Hintergrunds. Verso am linken Rand mit Montagefalz, ansonsten schön.