Details

Schiefler/Mosel/Urban 81.

Provenienz:
Sammlung H. Neuerburg, Köln, mit dem Blindstempel unten rechts (Lugt 1344a);
Kornfeld, Bern 15.6.2012, Los 27;
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen.

Beschreibung

– Unikatcharakter. Sehr selten.

„(…) auf die so oft erlebten herrlichen Naturstimmungen zurückgreifend, entstanden meine Bilder.“ (Emil Nolde)

Zu Noldes Auseinandersetzung mit den Gezeiten bzw. mit der Naturgewalt „Meer“ hält Max Sauerlandt 1921 in seiner Monographie über Nolde fest: „Er sieht es nicht vom Strande oder vom Schiffe aus, er sieht es so, wie es in sich selbst lebt, losgelöst aus jedem Bezug auf den Menschen, als das ewig regsame, ewig wechselvolle, ganz in sich selbst sich auslebende, in sich selbst sich erschöpfende göttliche Urwesen, das bis heute noch die ungebändigte Freiheit des ersten Schöpfungstages sich bewahrt hat.“

Um 1900 schuf Nolde bei Aufenthalten u.a. an der Küste Nordjütlands seine ersten Meerbilder. Doch trotz eines Ateliers auf Alsen, das direkten Blick auf das Meer hatte, greift der Künstler das Thema erstmal nicht verstärkt auf. Erst ab dem Sommer 1910 entstehen an der Nordseeküste eine Reihe von Gemälden, die das stürmische Meer zeigen. Nolde berichtet über seine dortigen Eindrücke: „Durchs Fenster schweiften frei die Augen über das Meer hinweg, und nichts war zu sehen als nur Wasser und die Wolken.“ (Ausst.-Kat. im unteren Belverde: Emil Nolde. In Glut und Farbe, München 2013, S. 130 ff.).

Auch in unserem Blatt fokussiert sich Nolde auf eine brechende tosende Welle mit leicht rot gefärbtem Abendhimmel darüber. Die Begeisterung und Fesselung dieser Naturgewalt, die er in zahlreichen Werken festhält, beschreibt der Maler: „Das große, tosende Meer ist noch im Urzustand.“

Die begehrtesten Motive im lithographischen Werk Noldes sind auf dem Auktionsmarkt, neben dem vorliegenden Blatt, die „Tänzerin“ (Sch/M/U L 56) und die „Heiligen Drei Könige“ (Sch/M/U L 49). Außer der „Welle“ entstehen die Graphiken im Jahr 1913 und gehören mit zu den großformatigsten Abzügen des Künstlers.

Der Sammler Heinrich II Neuerburg begann nach dem Zweiten Weltkrieg, eine bedeutende Sammlung klassischer moderner Druckgraphik aufzubauen. Er entstammt aus der Zigarettenfabrik Haus Neuerburg, die u.a. Firmensitze in Trier, Köln, Hamburg und Dresden hatte. Im Jahr 1900 beschäftigte das Unternehmen bereits um die 600 Mitarbeiter und entwickelte sich durch den steigenden Zigarettenkonsum zusehends weiter. In den 1920er Jahren florierte das Unternehmen; bei über 500 Millionen verkauften Zigaretten lag es damals knapp hinter dem Marktführer Reemtsma.

In der Kunstsammlung von Heinrich Neuerburg (1883 Trier – 1956 Garmisch-Partenkirchen) befanden sich u.a. Werke von Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Franz Marc, Otto Mueller, Hermann Max Pechstein, Egon Schiele und Karl Schmidt-Rottluff.