Ernst Ludwig Kirchner

Ansprache II

Details

Dube R179 I (von II), Schiefler R175, Gercken 651 I (von II)

Ausstellung:
Lebenslust & Totentanz, Kunsthalle, Krems 2010;
Ernst Ludwig Kirchner – anlässlich der Buchpräsentation der beiden ersten Bände des kritischen Werkverzeichnisses der Druckgraphik von Ernst Ludwig Kirchner, Aurel Scheibler, Berlin 2013.

Provenienz:
Ehemals Sammlung Gustav Schiefler;
Galerie Margret Heuser, Düsseldorf;
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen, 1995 bei Vorgenannter erworben.

Beschreibung

Im Herbst 1911 siedelt Ernst Ludwig Kirchner von Dresden nach Berlin. Er folgt seinen bereits in Berlin lebenden Künstlerfreunden Max Pechstein und Otto Mueller. Ende desselben Jahres kommen zudem noch Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff nach, sodass die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ wieder vereint ist. Die Großstadt bietet den jungen Künstlern ein ausgeprägtes Bohème-Leben, in dem ein reger Austausch zwischen Literaten, Geisteswissenschaftlern und Künstlern stattfindet. Es beginnt die produktivste Phase im Schaffen des Künstlers. Hier entsteht ab 1913 bis 1915 die bedeutende Werkgruppe der Straßenszenen. Diese besteht aus elf Gemälden, zahlreichen Skizzenbuchblättern, Zeichnungen sowie Druckgraphiken, in denen Kirchner das hektische Treiben auf den Straßen und Plätzen der Metropole thematisiert.
Sein Blick auf die großstädtische Zivilisation unterscheidet sich nun wesentlich von der natürlich-sinnlichen Auffassung seiner zuvor in Dresden und auf Fehmarn entstandenen Werke. Kirchner reagiert auf die Dynamik und Energie der Großstadt, indem er vor allem mit Schraffuren und Zickzack-Elementen arbeitet. Das Großstadtleben erscheint vollends in Nahaufnahme, ohne architektonischen Hintergrund konzentriert sich Kirchners Darstellung auf den urbanen Menschen: überlängte Gestalten mit gleichförmigen Gesichtern, die allenfalls sehr flüchtig individuelle Züge erkennen lassen, in Reihen definiert oder zu dichten Massen geballt, vereinzelt oder in geschlossenen Formationen. Kirchners Arbeiten der Berliner Zeit gelten als bedeutendste Werke des deutschen Expressionismus.