Auktion 290 | 06.06.2019 15:00 Uhr | Zeitgenössische Kunst

Marcel Broodthaers | RENE MAGRITTE ECRIT 1898-1967

Marcel Broodthaers: RENE MAGRITTE ECRIT 1898-1967

Los 856N – Highlight

  • Ergebnis:  91.300*

Marcel Broodthaers

1924 Brüssel – Köln 1976

RENE MAGRITTE ECRIT 1898-1967

Farbiger Buchdruck auf grundierter Leinwand, montiert auf festem Karton. (1972). Ca. 68 x 78 cm. Im Plexiglasrahmen (ca. 75 x 84,5 x 2,5 cm).

Details

Mit einem schriftlichen Zertifikat von Maria Gilissen-Broodthaers, Brüssel.

Literatur: Ausst.-Kat. Marcel Broodthaers: Eine Retrospektive, hrsg. von Manuel Borja-Villel, Christophe Cherix, The Museum of Modern Art, New York 2016, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2016/17, siehe S. 271 – 279.

Provenienz: Nachlass Maria Gilissen-Broodthaers, dort vom jetzigen Besitzer 2006 erworben;
Privatsammlung, Berlin.

Beschreibung

„Qu’est-ce que la peinture? Eh bien c’est la littérature — Qu’est-ce que la littérature alors? Eh bien c’est la peinture“ (Was ist Malerei ? Nun, sie ist Literatur – Was ist dann Literatur ? Nun, sie ist Malerei). Marcel Broodthaers „What is painting…?“, um 1963, in: Marcel Broodthaers, Tate Gallery, London, 1980, S. 27. Im Oktober 1972 präsentiert Marcel Broodthaers in der Galerie Yvon Lambert in Paris erstmals eine neue Werkserie, in der er sich konzeptuell mit dem Thema Malerei auseinandersetzt. Seine „Série de neuf peintures sur un sujet littéraire“- seine neun Gemälde über ein literarisches Thema – sind alles andere als Malerei im herkömmlichen Sinn: An die Wände der Galerie in der Rue de L’Échaudé sind mit Nadeln 9 weiß grundierte, nicht gespannte Leinwände gitternetzartig befestigt. Sie tragen die Namen französischer Literaten, gefolgt von einem einfachen Verb sowie den jeweiligen Lebensdaten. Die Verben – „fume, boit, ecrit, peint“– lassen sich im weitesten Sinne mit dem kreativen Schaffensprozess sowie der französischen Caféhauskultur in Verbindung setzen. Beides ist seit jeher eng miteinander verbunden. Die Zuordnungen von Name und Tätigkeit in den „Peintures littéraires“ sind komplett willkürlich und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich inmitten dieses launisch-humorvollen Systems auch zwei Maler befinden. René Magritte und Broodthaers selbst, beides Künstler, für deren Werk die Sprache bzw. der Text im Bild zeitlebens eine grundlegende Rolle spielt. „RENE MAGRITTE ECRIT“ und „ IL (womit Marcel Broodthaers selbst gemeint ist) PARLE“ – der eine schreibt, der andere spricht. Die Übergänge sind fließend und so erscheint es logisch, dass es sich bei den „Peintures littéraires“ nicht um tatsächliche Malerei handelt. Unter Überwachung des Künstlers wurde jede Leinwand im Hochdruckverfahren bei der Imprimerie Laconti in Brüssel mit den Texten bedruckt. Jedes Motiv bzw. jeder Text existiert in unterschiedlicher Fassung fünfmal. Marcel Broodthaers behandelt das Thema Malerei, ohne den Pinsel in die Hand zu nehmen. In diesem herausragenden Beispiel früher Konzeptkunst steht, obwohl der Titel es anders suggeriert, der Text im Mittelpunkt. Die serielle Wiederholung ist ebenfalls Konzept: Im Oktober desselben Jahres zeigt Marcel Broodthaers in der Londoner Jack Wendler Gallery weitere neun Leinwände aus der Serie der „Peintures littéraires“, in deren Mittelpunkt diesmal englischsprachige Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts stehen. Im April 1973 stellt er in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München die „Serie von neun Gemälden in deutscher Sprache: die Welt“ (Série de neuf peintures en langue allemande: Die Welt) aus. Dem Motiv „RENE MAGRITTE ECRIT“ kommt unter all diesen Text-Leinwänden eine besondere Bedeutung zu: René Magritte war in Marcel Broodthaers Œuvre zeitlebens wichtigster künstlerischer Einfluss und Bezugspunkt.

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