Auktion 296 | 16.07.2020 11:00 Uhr | Moderne Kunst

Pierre-Paul Girieud | Portrait d’Émilie Charmy

Pierre-Paul Girieud: Portrait d’Émilie Charmy

Los 400 – Highlight

  • Ergebnis:  75.000*
  • Auktionsinfo

    Moderne Kunst

    Titelbild:
    Henry Moore, Two seated figures against wall, 1960
    © The Henry Moore Foundation. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Pierre-Paul Girieud

1876 Paris – Nogent-sur-Marne 1948

Portrait d’Émilie Charmy

Öl auf Malpappe. 1908. Ca. 105 x 76 cm. Signiert und datiert am unteren rechten Rand.

Details

Das Werk ist vermutlich unter dem Titel „Emilie Charmy assise 2“ (o. Abb.) im Online-Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt (www.pierregirieud.fr).

Literatur: Pierre Girieud et l’expérience de la modernité 1900-1912, Ausst.-Kat. Musée Cantini, Marseille 1996, s/w Abb. S. 31.

Provenienz: Emilie Charmy, Paris;
durch Erbfolge an die jetzigen Besitzer, Privatsammlung, Frankreich.

Beschreibung

Im April 1908 beginnt Girieud mit zwei etwa gleich großen Porträts seiner französischen Malerkollegin Emilie Charmy (1878 – 1974). Charmy ist zu diesem Zeitpunkt dreißig Jahre alt und steht kurz vor ihrem Durchbruch als fauvistische Künstlerin. Girieud schreibt im April an seinen Freund Georges Dufrénoy, dass ihn vor allen Dingen „der Charakter des Ausdrucks in einer dekorativen Linie“ interessiere. So betont Girieud im Porträt der Künstlerin die Umrisse ihrer Form mit dunklen Linien und hebt sie mit ihrem hellen Inkarnat und leuchtendem Kleid von einer dunklen bzw. einfarbigen Kulisse ab. Die zweite Ausführung auf rotem Hintergrund wurde 1999 von Karl & Faber versteigert und ist heute Teil der Sammlung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. Im Vergleich zu dieser Arbeit wirkt die vorliegende Version naturalistischer: Die Augen sind hier ausformuliert und daher lebendig; die Modellierungen der Schulterpartie, des Ausschnitts und besonders des rechten Arms erscheinen realistischer. Die schwarzen Umrandungen wirken, auch durch den dunklen Hintergrund, weniger prominent. Auch sitzt die Künstlerin hier noch vor einer summarisch erfassten Landschaft. Man erkennt Zypressen, Wasser, einen Hügel. Im Gemälde des Lehnbachhauses bleibt von diesem Hintergrund nur noch der Schwung der Sitzfläche als schwarze Linie. Ansonsten verzichtet Girieud gänzlich auf Details, es geht nur noch um die Figur der Malerin. Es ist anzunehmen, dass das vorliegende Werk vor der Version im Lenbachhaus gemalt wurde. Da das Bild nie zu Lebzeiten der Künstlerin verkauft wurde und bis heute im Besitz der Familie Charmy blieb, muss diese Version der Künstlerin besonders gefallen haben.

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