Auktion 296 | 16.07.2020 11:00 Uhr | Moderne Kunst

Wassily Kandinsky | Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen

Wassily Kandinsky: Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen
Wassily Kandinsky: Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen
Wassily Kandinsky: Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen

Los 406N – Highlight

  • Ergebnis:  250.000*
  • Auktionsinfo

    Moderne Kunst

    Titelbild:
    Henry Moore, Two seated figures against wall, 1960
    © The Henry Moore Foundation. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Wassily Kandinsky

1866 Moskau – Neuilly-sur-Seine 1944

Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen

Öl auf papierkaschiertem Rupfen, randdoubliert. (1902). Ca. 29,5 x 44,5 cm. Signiert unten rechts.

Details

Handliste I des Künstlers („Kleine Ölstudien“), Nr. 6 (russisch bezeichnet).
Roethel 521 (Supplement A); Barnett 8 (Werkverzeichnis der Aquarelle: Addendum der Ölgemälde).

Literatur: Derouet, Christian und Boissel, Jessica, Kandinsky: Œuvres de Vassily Kandinsky, Paris 1984, S. 177.

Ausstellung: Galerie Les Tendances Nouvelles (Eröffnungsausstellung), Paris 1904;
Kandinsky, The National Museum of Modern Art, Tokio/Kyoto 1987, Kat.-Nr. 4, mit farb. Abb.;
Wassily Kandinsky, Fuji Television Gallery, Tokio 1989, farb. Abb.;
Kandinsky nelle collezioni svizzere, Museo Cantonale d’Arte, Lugano 1995, Kat.-Nr. 3, mit farb. Abb., verso mit dem Etikett;
Kandinsky. Sounds of colour, Helly Nahmad Gallery, New York 2004, Abb. im Kat. S. 27.

Provenienz: Privatsammlung, Genf;
Galerie Resche, Paris (erworben zwischen 1984-1988);
Sotheby’s, München 26.10.1988, Los 7;
Privatsammlung, Europa.

Beschreibung

„Schon bei der ersten Begegnung mit dem Impressionismus 1896, beim Anblick eines Werkes aus der Serie Heuhaufen von Claude Monet, ein Gemälde, dessen Motiv Kandinsky spontan nicht identifizieren konnte, nahm er die abstrakten Qualitäten dieser Kunst wahr. Das Bild Monets erschien ihm in seiner flimmernden Farbigkeit gegenstandslos und in der Auseinandersetzung mit dem Impressionismus gelangte Kandinsky selbst zu einer Malerei, die die Farbe zunehmend vom Gegenstand trennte und zur Abstraktion tendierte.“ (Cathrin Klingsöhr-Leroy, in: Ausst.-Kat. Schöne Aussichten. Der Blaue Reiter und der Impressionismus, Franz Marc Museum, Kochel am See, München 2015, S. 11) „Im Dezember 1896 hatte Kandinsky (…) die russische Heimat verlassen, um sich in München ausschließlich der Malerei zu widmen. Schon bald schreibt er sich in der privaten Malschule von Anton Ažbè ein. Hier erlernt Kandinsky die Grundlagen des anatomischen Zeichnens. Der konventionelle Unterricht und insbesondere das Zeichnen vor dem Modell widerstreben Kandinsky. Profitieren kann er allerdings von Ažbès farbtheoretischer Lehre, die ihm die von den Neoimpressionisten entwickelte divisionistische Technik nahebringt. Oft bleibt Kandinsky dem Unterricht fern, um in Schwabing, im Englischen Garten oder aber im bayerischen Umland seine Landschaftsstudien vor der Natur zu malen. Dabei übernimmt er die von Ažbè erlernte Spachteltechnik, bei der die Farbe mit einem kleinen Messer aufgetragen und teilweise gleich wieder weggenommen wird, sodass die Struktur des Malkartons an vielen Stellen sichtbar bleibt. In Studien (…) setzt Kandinsky über die formgebenden Spachtelstriche noch einige Farbtupfer und Akzente mit dem Pinsel. Die bewusste Betonung der malerischen Faktur lässt die Verwandtschaft mit den Bildern der impressionistischen und neoimpressionistischen Maler erkennen. Im Gegensatz zu deren Landschaften bestechen die Ölstudien aus Kochel allerdings nicht durch eine fein differenzierte Farbigkeit. (…) Im Sinne der Impressionisten gibt Kandinsky den zufällig in den Blick genommenen Landschaftsausschnitt naturalistisch wieder. Dabei achtet er auf einen tektonischen Bildaufbau. (…) Vorder-, Mittel-, und Hintergrund (sind) klar definiert. Bewegung entsteht durch die reliefartige Struktur des Farbauftrags und die leichte Differenzierung der Grün- und Blautöne innerhalb der Hügel, Bäume und des Gebirges. (…) Die Lichtatmosphäre des ‚Blauen Landes‘ – die Gegend zwischen Murnau, Kochel und Sindelsdorf –, die bereits Franz Marc seit seiner frühen Jugend begeistert hatte, scheint auch auf Kandinsky anziehend gewirkt zu haben, sodass er sich während seiner Münchner Zeit immer wieder in Kochel aufhält, bis er sich 1908 dauerhaft in Murnau niederlässt. (…) Die reine Landschaft und die einfachen Sujets inspirieren Kandinsky zu Bildern, die durch ihre Leere bestechen und deshalb Raum geben, weitergedacht und -entwickelt zu werden. 1902 verbringt Kandinsky, der im Winter 1901/02 eine Malschule eröffnet hatte, mit seinen Schülerinnen einen Teil des Sommers in Kochel. Unter ihnen befindet sich auch Gabriele Münter. Während des Aufenthalts kommt es zu einer ersten Annäherung zwischen Münter und Kandinsky, die gemeinsam Malausflüge mit dem Fahrrad unternehmen. Hier malt Münter unter Anleitung Kandinskys zum ersten Mal überhaupt kleine Ölstudien vor der Natur.“ (Marlene Bielefeld, in: Ausst.-Kat. Schöne Aussichten. Der Blaue Reiter und der Impressionismus, Franz Marc Museum, Kochel am See, München 2015, S. 109 ff.). Das Lenbachhaus in München zeigt ab Oktober 2020 die Ausstellung „Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter“ und befasst sich darin explizit mit der Zeit 1902-1908, in der das Künstlerpaar auf Reisen durch ganz Europa zahlreiche Ölstudien in impressionistischer Arbeitsweise fertigte.

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