Auktion 288 | 10.05.2019 11:00 Uhr | Kunst des 19. Jahrhunderts

Hans Thoma | Frühlingsblumen

Hans Thoma: Frühlingsblumen

Los 137 – Highlight

  • Ergebnis:  48.800*

Hans Thoma

1839 Bernau – Karlsruhe 1924

Frühlingsblumen

Es ist ein Gemälde, das nicht sofort zum Betrachter spricht; man muss es wirken lassen –…

Details

Literatur: Michaela Gugeler/Andreas Strobl: Hans Thoma. Der verstörende Griff nach der Welt. Werke aus dem Nachlass, Frankfurt am Main 2008, S. 25, Nr. 7, Farbabb.

Ausstellung: Deutsche Malerei. Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk, Ausst. Kat. Staatliche Museen zu Berlin u. a., Dresden 1954, Nr. 50, Abb. 41.

Provenienz: Nachlass des Künstlers;
Ella Geißler-Thoma (Adoptivtochter des Künstlers), Berlin;
1944 Auslagerung nach Schloss Oberquell bei Glogau/Schlesien;
Nationalmuseum, Warschau/Polen;
1953 als „Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk“ zurückgegeben an die Nationalgalerie/Ost-Berlin;
1993 Restitution an die Erben nach Ella Geißler-Thoma.

Beschreibung

Es ist ein Gemälde, das nicht sofort zum Betrachter spricht; man muss es wirken lassen – dann eröffnet sich ein Kosmos Thomascher Malerei, wie man sie selten bei ihm sieht. Hans Thoma hat sich wiederholt mit dem Thema Stillleben beschäftigt, doch wohl kaum noch einmal auf so überzeugende Weise. Vor dunklem Hintergrund entfaltet sich der kräftige Farbakkord aus Gelb, Grün, Blau und Rot der vom Maler versammelten Frühlingsblumen – Schlüsselblumen, Anemonen, Windröschen und ähnliche Wald- und Wiesenblumen hat Thoma zu einem kunst- und spannungsvollen Arrangement vereinigt, in dem sich auf einzigartige Weise Tradition und Moderne verbinden. Natürlich kennt Thoma seine alten Holländer des „Goldenen Jahrhunderts“ – der über Eck gestellte Tisch und der links über die Tischkante hinausragende Ast verweisen gleichsam zitathaft auf diese Tradition –, doch in der offenen, auf farbliche Wechselwirkungen bedachten Malweise offenbart sich jene Modernität, mit der die französische Malerei das Stillleben bereichert hatte. Nie wieder war Thoma, dieser deutscheste aller deutschen Maler, französischer und namentlich Gustave Courbets realistische Malweise scheint Pate gestanden zu haben. Courbet war in Deutschland zu jener Zeit kein Unbekannter: Anlässlich seiner zweiten Ausstellung in Frankfurt war Courbet 1858 in die Mainmetropole gekommen und blieb dort nahezu ein Jahr, 1869 war er mit Gemälden auf der Münchner Kunstausstellung im Glaspalast vertreten und Thoma selbst war 1868 zusammen mit Otto Scholderer nach Paris gereist, wo ihn die Werke Courbets und der Schule von Barbizon nachhaltig beeindruckt hatten. Der „Geschmack am Einfachen und Ehrlichen“, den Baudelaire bei Courbet rühmte, zeichnet auch Thomas Gemälde aus. Die Schlichtheit des Motivs, der klare Bildaufbau vor dem dunklen, neutralen Hintergrund und nicht zuletzt der Kontrast von Hell und Dunkel – all diese Themen fand er bei Courbet vor. Nach seinem Parisaufenthalt war Thoma 1870 nach München übergesiedelt, wo er im folgenden Jahr Bonicella Berteneder, genannt Cella, im Atelier Victor Müllers kennengelernt hatte. Sie hatte als Modell für dessen „Blumenmädchen“ Aufsehen erregt, und war 1876, im Entstehungsjahr des Gemäldes, Thomas Schülerin, die er ein Jahr später heiratete. Sie war vor allem in Thomas Frühzeit Muse und Inspiration und wurde später eine begabte, auch kommerziell erfolgreiche Stilllebenmalerin. So mag der Gedanke nicht abwegig sein, in der Wahl des Themas vielleicht bereits den Einfluss bzw. die Inspiration seiner späteren Frau zu vermuten.

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