Auktion 286 || 06.12.2018

Neo Rauch
Plan | Ergebnis: € 250.000*

Neo Rauch hat in den 1990er Jahren zahlreiche Arbeiten auf Papier geschaffen. In diesen Jahren konzentriert er sich auf klare Kompositionen in düsteren erdigen Farben: schablonenhafte Figuren treten aus dem Dunkel hervor, die Bildfläche ist schematisch gegliedert. Mit den sowohl figurativen als auch narrativen Werken schafft er eine surreal und rätselhaft wirkende Traumwelt. Der Betrachter erkennt Versatzstücke des Alltags. Für die künstlerische Entwicklung Neo Rauchs sind diese Jahre von besonderer Bedeutung. In einem allumfassenden Prozess hinterfragt Rauch seine gestalterischen Mittel. Der Maler reduziert die Farben, die Motive, den Raum und verzichtet auf nebensächliche Bildelemente. Auf diese Weise entstehen ab 1993 stark konzentrierte, ausgewogene Kompositionen. Es kommt zu einer Öffnung der Bildsprache und es tauchen für das Werk charakteristische Figuren nun erstmals auf. Neo Rauch nimmt vermehrt kräftige Farben auf und verlässt die erdig düsteren Bildwelten. Das große Tondo „Plan“ von 1994 ist eines von nur wenigen Werken auf Papier, die in diesem außergewöhnlichen runden Format entstanden sind und das zudem gänzlich von der Farbe Rot bestimmt wird. „Die Entscheidung für das außergewöhnliche Rundformat resultierte letztlich aus der Situation, in der sich Neo Rauch befand: Es spiegelt das „Einkreisen“ möglicher Bildlösungen, ein kreisendes Bewegen auf der Such nach einem neuen Ansatz, (…)“. Holger Broker in Neo Rauch. Neue Rollen. Bilder 21993 bis 2006. Hrsg. Kunstmuseum Wolfsburg 2006, S. 21. Auch hier spielt Rauch mit unterschiedlichen Bildebenen und Schichten. Mindestens vier verschiedenen Szenen sind zu erkennen, das Tondo ist in drei Ebenen eingeteilt. Links oben ein in schwarz gehaltener Straßenplan. Ein Relikt aus früheren Zeiten? Mittig die in gedecktem, hellem Elfenbeinfarben gehaltene Figur, die auf einem Rollwagen zu stehen scheint. Sie ist nur im Profil gezeigt, ihr Kopf wendet sich der Maus im unteren Drittel der Bildfläche zu. Auch sie auf Rädern, scheint von der Figur von oben herab gelenkt, angetrieben und dominiert zu werden. In der rechten Bildhälfte befindet sich oben ein rätselhaftes Objekt. Darunter eine Büste, die mechanisch mit Werkzeug hantiert. Als kleinstes Element ist rechts die Silhouette einer für Rauch typischen Fabriklandschaft zu erkennen. Die Arbeit „Das große Meer“, die den Titel der gleichnamigen Ausstellung von 1994 trägt, zeugt noch von der sparsamen Verwendung von Farben, ein feiner Grünschleier liegt über der nebulösen postkommunistischen Leipziger Umbruchlandschaft. Nirgend ist ein Mensch zu sehen. Die Ölfarbe führt zur Entsättigung der Farben und erzeugt so den Effekt der Vergilbung. Das blässliche Kolorit bestärkt die Erinnerung an eine untergegangene, verblichene Welt. Lediglich links unten sticht ein farbiger Kreis hervor, der langsam in Richtung Bildmitte vorzustoßen scheint. Die Räume, die auf den Werken Rauchs gezeigt werden sind niemals eindeutig, die verschiedenen Bildebenen gleiten ineinander. Rauchs Bilder vermeiden das Eindeutige vorsätzlich und fordern so die Vorstellungskraft des Betrachters, der in eine befremdliche, nahezu unheimliche Traumwelt hineingezogen wird. – Leichte Atelierspuren, Kanten leicht unregelmäßig sowie mit vereinzelten winzigen Läsuren und Knickspuren, insgesamt in guter Erhaltung.

Neo Rauch
1960 Leipzig
Plan | Ergebnis: € 250.000*

Mischtechnik auf Papier. 1994. Ca. 180 cm Durchmesser.

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