Auktion 279 || 06.12.2017


Österreichische Kunst nach 1945

Von der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten

Die österreichische Kunstgeschichtsschreibung der Nachkriegsjahre beginnt in der Akademie der bildenden Künste in Wien. Aus der Meisterklasse von Albert Paris Gütersloh entwickelt sich, angelehnt an den Surrealismus, die Wiener Schule des Phantastischen Realismus mit Hauptvertretern wie Anton Lehmden, Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Helmut Leherb und Güterslohs Sohn Wolfgang Hutter. Josef Dobrowsky hingegen lässt seinen Schülern freie Hand und gibt somit Raum und Anstoß zu einer Entwicklung hin zur Abstraktion. Zu seinen Schützlingen zählen u.a. Alfred Hrdlicka, Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky und Josef Mikl. Von 1947 bis 1959 besteht der Art Club unter dem Vorsitz von Albert Paris Gütersloh, der besonders zu Beginn der 1950er Jahre eine wichtige und fortschrittliche Plattform künstlerischen Austausches bietet.

Ein Galerietrottel sagte zu mir: Was wollen Sie? Was Sie machen ist das Ende der Malerei […] Sie irren sich, habe ich geantwortet, hier beginnt die moderne Malerei überhaupt erst.
Hans Bischoffshausen

1950 gründen die Wilden, darunter auch Arnulf Rainer und die Phantasten, die „Hundsgruppe“, die als Gegenpol zu dem klassischen akademischen Kunstanspruch agieren sollte. 1954 formiert sich eine Künstlergruppe um Monsignore Otto Mauer, der in den ehemaligen Räumlichkeiten der „Neuen Galerie“ des nach New York emigrierten Kunsthistorikers Otto Kallir die Galerie nächst St. Stephan eröffnet. Die Galerie entwickelt sich zum Zentrum des österreichischen Informels und zu einer der wichtigsten Avantgarde Galerie in Europa. Für den Pfarrer Otto Mauer war Religion und Individualität kein Gegensatz, auf den Vorwurf der Obszönität der in seiner Galerie gezeigten Bilder antwortet er: „Die wirklich Nackerten gibt’s im Vatikan Museum. Bei mir ist alles abstrakt.“ (Monsignore zum 100er, in: Salzburger Nachrichten, 14.2.2007)

In den 1980er Jahren folgt eine weitere Generation, die sich in Anlehnung an die französischen Fauves die „Neuen Wilden“ nennen, darunter Maria Lassnig, Siegfried Anzinger, Herbert Brandl, Hubert Scheibl, Kurt Kocherscheidt, Franz Grabmayr, Otto Zitko u.a. Entscheidenden Einfluss auf die Kunst dieser Generationen nahmen Lassnig, Kocherscheidt und Grabmayr.

Das Wort Zeitgeist ist eine Beleidigung … Die Malerei verkehrt in dieser Gesellschaft nicht.
Josef Mikl

Seinen Antrieb findet diese Strömung in der Loslösung von der sehr kopflastigen Kunst der 1970er Jahre. Sie möchten weg von der Dominanz der Intellektualität, zurück zur Malerei, zurück zur Farbe. Wilder Pinselstrich, kräftige Farbigkeit, Deformierung bis hin zur Formlosigkeit enden in einem expressiven Ausdruck. Die 1970 geborene Künstlerin Elke Krystufek setzt sich mit den künstlerischen Gestaltungsmitteln ihrer Vorgängergeneration auseinander, vereint die Malerei mit dem intellektuellen Anspruch des Wiener Aktionismus und erweitert so ihren künstlerischen Gestaltungsradius. Sie ist nicht nur bildende Künstlerin, sie ist auch Fotografin, Installationskünstlerin, Autorin, Kunstfigur. Ihre erste Aktion im öffentlichen Raum findet 1990 statt. Sie fügt sich Schnittwunden zu, um dann ihren eigenen Körper mit ihrem Blut zu bemalen. Muntean und Rosenblum setzen sich mit kunsthistorischen Pathosformeln auseinander und transformieren sie inhaltlich, subtil und zart mit klassischeren bzw. ursprünglicheren Gestaltungsmitteln der figurativen Malerei. Anstatt wieder nach neuen Ausdrucksformen zu suchen, passen sie den Inhalt der heutigen Zeit an.

Über 70 Werke Österreichischer Kunst nach 1945 werden
am 7. Dezember 2017 versteigert.

HIGHLIGHTS
Ausgewählte Werke Österreichischer Künstler (Los 970 bis 1011): Versteigerung am 7. Dezember ab 17 Uhr.

Josef Mikl: Los 977
Hans Bischoffshausen: Los 970
Arnulf Rainer: Lose 971, 979, 993 – 996, 1002, 1003
Herbert Brandl: Lose 998, 999
Kurt Kocherscheidt: Lose 1523, 1524
Franz Grabmayr: Lose 980 – 982, 997

Elke Krystufek: Lose 1005, 1006
Muntean/Rosenblum: Lose 1007 – 1011

Weitere Werke Österreichischer Kunst nach 1945 im Online-Katalog
Zeitgenössische Kunst – Schätzpreis unter € 1.000
Versteigerung 7. Dezember 2017 ab 11 Uhr

Expertin für diese Auktion

 

Alexandra Ruth
Repräsentantin Österreich
Österreichische Kunst
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1929 Baden bei Wien
Österreichische Kunst nach 1945

Farbige Radierung mit Kaltnadel auf Velin. (1983). Ca. 115 x 49,5 cm (Blattgröße ca. 128 x 63 cm). Ein „Ex.art.“ Exemplar außerhalb der Auflage von 35. Signiert unten rechts.

  • Schätzpreis: € 8.000/10.000

Literatur:
Cross 1956 – 2009, Hrsg. Sammlung zeitfrei, Wien 2009, mit farb. Abb. S. 15 und zentraler Ausklappseite (dort mit abweichender Blattgröße).

Provenienz:
Privatsammlung, München.