Auktion 227 || 04.12.2009

Alexej von Jawlensky
Stillleben mit rotem Tablett und Astern | Ergebnis: € 337.500*

Nach seiner Ausbildung an der Petersburger Kunstakademie siedelte Jawlensky 1896 nach München über. An der Malschule von Anton Azbè lernte er Wassily Kandinsky kennen, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbinden sollte. Die eigene Stilentwicklung war jedoch schon bald besonders durch die Auseinandersetzung mit dem Werk van Goghs geprägt, das er während eines Aufenthaltes in Paris, aber auch auf einer Ausstellung der Münchener Sezession im Jahr 1903 studieren konnte. Das vorliegende Stillleben ist ein besonders schönes und charakteristisches Beispiel für diese Werkphase. Hier verwendet Jawlensky bereits die auch für sein Werk aus der Zeit des „Blauen Reiters“ typischen leuchtenden Primärfarben und zeigt – wie später so oft – seine Vorliebe für ein klares, helles Rot. Diese Farben setzt er ungemischt nebeneinander, sodass sich allenfalls im Auge des Betrachters eine optische Mischung ergibt; der Schatten auf dem Tablett ist nicht tonig abgedunkelt, sondern erscheint in der Komplementärfarbe Grün. Überhaupt dominiert im gesamten Bild die Kombination von Farbkontrasten, die sich im Sinne der impressionistischen Farbtheorie zur größtmöglichen Leuchtkraft steigern: Auf dem roten Tablett entwickelt die grüne Birne eine besondere Strahlkraft; das Gelb und das helle Blau der Blüten finden sich in den Farben des Hintergrunds wieder. Der Pinselstrich ist – hier deutlich am Beispiel van Goghs orientiert – variabel und passt sich in seiner Richtung dem Gegenstand an. So erschaffen im Hintergrund bildparallele senkrechte Striche eine vibrierende Tiefe, vor der sich das Stillleben entfalten kann. Lange rote Pinselstriche folgen dem Randverlauf des Tabletts und verdichten sich auf seinem Boden zu einer durch helle Lichtreflexe gebrochenen Fläche. In ebenso flüssiger Pinselführung ist die grüne Keramikvase gestaltet. Die dichte Fülle der weißen und blauen Astern hingegen erhebt sich plastisch in virtuos ausgeführter, pastoser Spachteltechnik; hier ist das dynamische Zentrum der Komposition. – Mit Einfassungslinie in Blau am äußersten Rand unter der Rahmung, hier mit Farbabrieb. Innerhalb der Darstellung mit vereinzelten kleinen Kratzern und Bereibungen. Linke untere Ecke mit einer Stauchspur (unter der Rahmung). In farbfrischem Originalzustand. Ausstellungen: „11. Ausstellung der Berliner Sezession“, Berlin, 1906, wohl Nr. 137; „Jawlensky“, Galerie Beyeler, Basel, 1957, Kat. Nr. 2 (mit Abb.); „Alexej von Jawlensky“, Hamburger Kunsthalle, 1957, Kunsthalle, Bremen, 1957 – 1958 und Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 1958, Kat. Nr. 4 (mit Abb.); „Alexej von Jawlensky. A Centennial Exhibition“, Art Museum, Pasadena, 1964, Kat. Nr. 4. Provenienz: Nachlass Alexej von Jawlensky, Wiesbaden/Ascona; Galerie Beyeler, Basel, verso mit dem Aufkleber; Sammlung Karl H. Graebner, Gernsheim am Rhein; Kunsthaus Lempertz, Köln, Auktion 491, 1966, Los 344 und Auktion 497,1967, Los 374 (mit Abb.); Privatbesitz, Norddeutschland.

Alexej von Jawlensky
1864 Torschok - Wiesbaden 1941
Stillleben mit rotem Tablett und Astern | Ergebnis: € 337.500*

Öl auf Malkarton. 1904. Ca. 63,5 : 45 cm. Links unten signiert sowie rechts unten mit älterer Signatur. Verso signiert, datiert, betitelt und bezeichnet "N. 6". Gerahmt.

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