Details

Provenienz:
Pace Gallery, New York;
Galerie Barbara Gross, München;
Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

Bei „Sleeping woman with lying wolf“ handelt es sich um eine ausgesprochen charakteristische Arbeit von Kiki Smith. Dem Thema „Lying with the wolf“ hat die Künstlerin eine ganze Werkserie gewidmet. Zwei weitere Werke aus der Serie befindet sich heute in der Sammlung des Centre Pompidou in Paris. Die großformatige Collage aus Nepalpapier von 2004 vereint alle wesentlichen Merkmale, die das facettenreiche Œuvre der in Nürnberg geborenen US-amerikanischen Künstlerin ausmachen: Der ungemein feinstoffliche Umgang mit Materialien, der unverkennbare filigrane Zeichenstil sowie ein narratives Element, mit dem sie nicht nur politisch-sozialen, sondern auch philosophischen Aspekten der menschlichen und vor allem der weiblichen Natur nachspürt. Der weibliche Körper spielt für Kiki Smith seit ihren künstlerischen Anfängen im New York der 1980er Jahre eine zentrale Rolle. Auch Tiere wie Vögel, Füchse und Wölfe, die für sie in einer engen spirituellen Verbindung zum Menschen stehen, prägen ihre Bildwelt seit den Anfängen. Kiki Smith ertastet so den Zwischenbereich, in dem Mensch und Tier sich begegnen. Ihre Interpretation der Tierwelt ist inspiriert von dem Ethnologen Carlos Castanedas: In seinen esoterischen Kultbüchern vermittelt dieser die Vorstellung, dass jedem Menschen ein Tier zugeordnet ist, das ihn lebenslang begleitet. Wenn der Mensch stirbt, vereint er sich mit dem Tier und verwandelt sich in dieses. „Sleeping woman with lying wolf“ ist das Bild einer Traumwandlerin. Zugleich trägt die Darstellung aber auch ein bedrohliches Moment in sich. Die liegende Träumerin ist dem sehr präsenten Wolf in der Haltung wehrlos ausgeliefert, seine Klauen sind untrennbar mit ihrem Körper verbunden. So bleibt die Szene vom spannungsvollen Kontrast zwischen Befreiung und Bedrohung geprägt. In ihren Wolfs-Bildern verweist Kiki Smith auch auf die Geschichte von St. Geneviève, der Schutzpatronin von Paris, der in der Legende die Zähmung der Wölfe zugeschrieben wird. Diese wiederum ist die mittelalterliche Quelle des Märchens vom Rotkäppchen.