Details

Hauskatalog des Künstlers, VI, 1935/36, Nr. 563, „Communiqué (Aq. + huile)“; Barnett 1192.

Ausstellung:
Wassily Kandinsky, Galerie Jeanne Bucher, Paris 1936.

Provenienz:
Galerie Jeanne Bucher, Paris 1936;
Georgette Boner (1903-1998), 1936 bei Vorgenannter erworben;
Christie’s, London 4.4.1978, Los 137;
Galerie Norbert Blaeser, Düsseldorf;
Privatsammlung, Baden-Württemberg, 1979 bei Vorgenannter erworben, im Erbgang an die heutigen Besitzer.

Beschreibung

Nach der definitiven Schließung des Bauhauses in Berlin im Jahr 1933 emigriert das Ehepaar Wassily und Nina Kandinsky nach Frankreich. In Neuilly-sur-Seine bei Paris beziehen sie eine Wohnung. Der Künstler hat es schwer, Fuß zu fassen, findet doch die abstrakte Kunst im von Kubismus und Surrealismus dominierten Paris wenig Anerkennung. Einzig Jeanne Bucher in ihrer Montparnasse-Galerie – hier wurde das vorliegende Aquarell 1936 ausgestellt und verkauft – sowie Christian und Yvonne Zervos mit ihrer Galerie im Büro der Kunstzeitschrift „Cahiers d’Art“ setzen sich für ihn ein. Das ändert jedoch nichts an seinem Schaffensdrang. Kandinsky, als Hauptvertreter einer verinnerlichten, spirituellen Malerei, zielt in seinen Bildern nicht darauf ab, die Welt in ihrer Gegenständlichkeit abzubilden, sondern seelische Empfindungen, Inhaltliches und Lebendiges, Sinneseindrücke und Klänge durch Farbe und Form sichtbar zu machen. Seine Farben und Formen drücken aus, was sich nicht als Materie darstellen lässt. Sie bilden einen „klingenden Kosmos“, wie er es selbst nennt. Ihrer Anordnung legt Kandinsky eine aus der Synästhesie und Musik entwickelte Harmonielehre der Farbklänge zugrunde, indem er den Farben tiefere Bedeutungen und Assoziationen zuschreibt und seine so visualisierten Farbklänge zu Farbsymphonien zusammenstellt. Die Farbe Gelb, die unser Aquarell dominiert, bezeichnete Kandinsky als exzentrisch und hervortretend. Dies passt auch zum Titel „Communiqué“, den man mit „Mitteilung“ oder „Bekanntmachung“ übersetzen kann. Seine „Mitteilung“ hat der Künstler in geheimnisvolle Zeichen verschlüsselt, die wie Hieroglyphen anmuten und die eingerahmt werden von trapezförmigen Vierecken, die vielleicht Schrifttafeln darstellen.