Details

Literatur:
Vgl. Labriola, Ada, „Puccio di Simone“, in: M. Boskovits, „The Alana collection. Italian paintings from the 13th to 15th century“, Florenz 2009, Kat.-Nr. 30, S. 176.

Ausstellung:
Trente-trois primitifs italiens de 1310 à 1500: du Sacré au Profane, Galerie Sarti, Paris 1998, Kat.-Nr. 6, S. 56-58.

Provenienz:
Galerie Sarti, Paris;
Privatsammlung;
Privatsammlung, Deutschland.

Beschreibung

Puccio di Simone wird erstmals 1346 in einer Mitgliederliste der Arte dei medici e speziali namentlich erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein angesehener Künstler und über die Stadtgrenzen Florenz’ hinaus bekannt. Puccio erlernte sein Handwerk in der Werkstatt des Giotto-Schülers Bernardo Daddi (um 1290-1348), von dem er einige Kompositionselemente übernahm. Insgesamt sind nur zwei vom Künstler bezeichnete Werke erhalten, eine Madonna dell’Umiltà mit Heiligen (Galleria dell’Accademia, Florenz) und zwei Tafeln eines Flügelaltars aus der Kirche Sant’Antonio Abate in Fabriano, der sich heute in der National Gallery, Washington (Inv. Nr. 1937.1.6.b), befindet. Das Altarbild war zuvor Allegretto Nuzi (1315-1373), einem aus Umbrien stammenden Maler, zugeschrieben worden. Richard Offner erkannte, dass der Altar trotz der stilistischen Gemeinsamkeiten das Werk zweier Künstler sein musste; nämlich Allegrettos, der den linken Seitenflügel mit dem hl. Antonius Abbas gemalt hat, und eines weiteren Florentiner Künstlers, der fortan in der Literatur als „Meister des Fabriano-Altars“ geführt wurde. Zuständig war dieser für die übrigen Teile des Altarbildes: für die Mitteltafel mit einer thronenden Madonna umstanden von einer Engelsschar und den rechten Flügel mit dem heiligen Venantius. 1959 identifizierte Roberto Longhi den bis dato anonymen Maler als Puccio di Simone, einen der wichtigsten der im Florenz Mitte des Trecento tätigen Künstler.
Ikonografisch ist das vorliegende Madonnenbild dem Typus der Sedes sapientiae (lat. „Sitz der Weisheit“) zuzuordnen. In Anspielung auf den alttestamentlichen Thron Salomons wird die sitzende bzw. thronende Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß dargestellt. Das Jesuskind ist in ein einfaches gelbes Tuch gewickelt und wird von Maria mit einer liebevollen Geste davon abgehalten, die Finger in den Mund zu stecken. Die weiche Modellierung der Figuren und der skulpturale Faltenwurf lassen annehmen, dass es sich um ein Spätwerk Puccios handelt. Madonna und Kind heben sich vom zweigeteilten Hintergrund ab. Der obere Bereich, in welchen ihre Aureolen übergehen, fängt mit dem goldenen Flächengrund das göttliche Licht ein, während die Bodenpartie mit einem roten Teppich mit goldenem Blumendekor bedeckt ist. Dieses Muster wird im Untergewand Mariens aufgegriffen. Eine ähnliche Gestaltung des Bildraumes findet sich bei Puccios Madonnenbild mit musizierenden Engeln im Norton Simon Museum, Pasadena (Inv. Nr. F.1965.1.046.P).