Johann Alexander Thiele

Flusslandschaft mit Felsen und Flößern (Elbsandsteingebirge)

Details

Provenienz:
Kunsthaus am Museum. Carola van Ham, Köln, Auktion 87, März 1981, Los 1402;
in vorgennanter Auktion erworben;
seitdem Privatbesitz, Rheinland.

Beschreibung

Von erhöhtem Standpunkt aus folgt der Blick des Betrachters dem gewundenen Lauf eines Flusses, der sich tief in die Ebene erstreckt. Rechts und links ragen bizarre Felsformationen auf, vorne auf einem Anschiffungsplatz gehen Schiffer ihrer Tätigkeit nach und verladen Baumstämme. Im Auktionskatalog von Van Ham 1981 war das Bild als „Elbsandsteingebirge. Weiter Blick ins romantische Elbtal“ bezeichnet, doch ist nach Anke Fröhlich dieser Titel allenfalls auf den allgemeinen Charakter der Elbtallandschaft mit ihren einzelnen Massiven zu beziehen, nicht auf eine bestimmte topografische Situation: Derart fantastisch anmutende Felsen gibt es dort weder in der Sächsischen noch in der Böhmischen Schweiz. Thiele hat sowohl frei komponierte Landschaften für den sächsischen Hof als auch erkennbare Ansichten bestimmter Gegenden geschaffen. Die Kunsttheoretiker des 18. Jahrhunderts hatten eine eindeutige Unterscheidung zwischen der Landschaftsmalerei einerseits und der Prospekt- und Vedutenmalerei andererseits getroffen. So macht Ludwig Christian Hagedorn, der 1755 die erste Biografie Thieles verfasste, in seinen „Betrachtungen über die Mahlerey“ 1762 deutlich, was man damals von einem Landschaftsbild erwartete, während der Prospekt als erkennbares Abbild einer bestimmten Gegend in der Wertung deutlich tiefer stand. In unserer Darstellung spürt man sehr genau, dass Thiele in der Komposition nicht nur von der Natur, sondern auch von der Kunst ausgegangen ist. Man kann die Vorbilder der Holländer erkennen, an denen sich Thiele orientierte, etwa die malerischen Flusstäler Jan Griffiers und die rheinischen Fantasielandschaften Herman Saftlevens.
Johann Alexander Thiele war im 18. Jahrhundert der Begründer einer ganzen Schule sächsischer Landschaftsmalerei, die bis ins 19. Jahrhundert fortwirkte. Er war Hofmaler Augusts III. am kursächsischen Hof in Dresden. Zu seinen wichtigsten Förderern zählten Jakob Heinrich Graf von Flemming, Heinrich Graf von Brühl und August der Starke. In seiner Zeit hoch angesehen, geriet er nach seinem Tod etwas in Vergessenheit, aus der ihn erst eine monografische Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2002 wieder in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit holte.

Die Authentizität wurde 1990 von Dr. Hans-Jörg Göpfert, Dresden, anhand des Originals bestätigt. Für wertvolle Hinweise zur Katalogisierung danken wir Dr. Anke Fröhlich-Schauseil, Dresden.