Emil Nolde

Kerzentänzerinnen

Details

Schiefler/Mosel H 127 V (von V).

Provenienz:
Karl & Faber, Auktion 75, 18.11.1960, Los 740, mit s/w Abb. (dort erworben und durch Erbfolge an den jetzigen Besitzer);
Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

Das Thema „Tanz“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk Noldes. Von der Jahrhundertwende bis in die 1930er Jahre kam es zu einem Einfluss des expressionistischen Tanzes auf die Bildende Kunst. Nolde selbst gab schon 1910 in dem Gemälde „Tanz um das Goldene Kalb“ (Pinakothek der Moderne, München) diesen Einflüssen Gestalt, indem er eine Gruppe von Tanzenden in ekstatischem Zustand in üppiger Farbenpracht zeigt. Auch in seinen graphischen Werken nahm er das Thema des Tanzes auf. In den Werken dieser Zeit verarbeitet er zudem auch seine Eindrücke von den einfachen Naturvölkern seiner Südseereise 1913-1914.
Der expressionistische Tanz entwickelte sich als Gegenbewegung zum klassischen Ballett. Vor allem die natürliche Bewegung stand hier im Vordergrund. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade die Expressionisten dies in ihren Werken wiedergaben, die damit auch eine gesteigerte Lebenskraft aufzeigen wollten. Im vorliegenden Holzschnitt nimmt Nolde diese Strömungen auf und zeigt zwei leicht bekleidete Damen ausgelassen tanzend. Die geheimnisvolle Stimmung der Komposition wird von Nolde noch durch die Kerzen im unteren Bildteil unterstrichen. Die Künstler der „Brücke“ trafen auf die Tanzeinflüsse vor allem in Dresden, wo in den 1920er Jahren Mary Wigman und Greta Palucca ihre Tanzschulen gründeten. Es ging Mary Wigman besonders darum, mit dem Tanz seelische Empfindungen zum Ausdruck zu bringen. In der vorliegende Graphik kommen diese inneren Emotionen durch die Technik des Holzschnitts verstärkt zur Geltung. – Tiefschwarzer Abzug mit schönem Relief. Signatur leicht verblasst. Mit minimalem Lichtrand. Mit minimalen Gebrauch- und Handhabungsspuren. Vereinzelt kaum merklich fleckig (Stockfleckchen). Verso Reste alter Montage, teils Ränder mit minimaler Papierausdünnung. Sonst gut.