Gabriel von Max

„Frühstück“ (Affe und Libelle)

Details

Provenienz:
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Die Begegnung zwischen Affe und Libelle verheißt Gaumenfreuden zum Frühstück – so der vom Künstler gewählte Titel des kleinen Gemäldes -, doch der Affe verharrt wie in stiller Andacht vor dem Insekt. Das fliegende Wesen genau beobachtend, hat er die Hände wie zum Gebet gefaltet. Er bekundet seinen Respekt gegenüber dem Wunder der Schöpfung, indem er Gefühle für das Opfer entwickelt. Wie die Geschichte letztlich ausgeht, wissen wir nicht – ob die Libelle doch noch gefressen wird -, doch zeigt sich in der Vermenschlichung des Affen Gabriel von Max‘ tiefes Interesse am Wesen des Menschen, an seiner Entwicklung und seinem Ursprung. Der Anthropologe und Darwinist Gabriel von Max feierte als „Seelenmaler“ große Erfolge, zu dem seine zahlreichen Affenbilder wesentlich beigetragen haben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend auf seine wissenschaftlichen Interessen konzentriert, hatte er in München und in Ambach am Starnberger See, wo er in stiller Abgeschiedenheit arbeitete, eine rund 60.000 Objekte umfassende Sammlung zoologischer und ethnografischer Relikte zusammengetragen, darunter auch Tier- und Menschenschädel. Sie dienten ihm bei seinen anthropologischen Erkundungen genauso als Anregung wie eine kleine Affenherde, die Max zu Studienzwecken und als Bildvorlage herangezüchtet hatte. Sein Anwesen bevölkerten zeitweise 14 Affen, die in seinen Gemälden gleichsam zu Kulturwesen stilisiert werden. Sie studieren die menschliche Anatomie und handgeschriebene Notizen, sie schwingen sich zu Kunstrichtern auf und kommen zu gemeinsamer Kunstbetrachtung zusammen. In diesen Gemälden spiegelt sich nicht nur Max‘ Forschungs- und Sammeltätigkeit, sondern auch das Aufeinandertreffen von Kunst und Wissenschaft.