Details

Literatur:
Günther Roennefahrt, Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, München 1960, S. 177 f., Nr. 415.
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke, Stuttgart 2002, S. 446 f., Nr. 1135, Abb.

Ausstellungen:
Ausst.-Kat. Berlin, Nationalgalerie, Sonderausstellung,1886, Nr. 95.
Ausst.-Kat. Prag, Rudolfinum, Spitzweg Ausstellung, 1887, Nr. 98.
Galerie Wimmer & Co, München 1919, Nr. 26/A
Neue Galerie, Schönemann & Lampl, Carl Spitzweg, München 1927, Nr. 16.
Ausst.-Kat.Carl Spitzweg. Vor und hinter den Kulissen, Murnau Schloßmuseum, 2009, Nr. 59.

Provenienz:
Neumeister, Auktion 118, 20.3.1969, Los 1396; Sotheby’s London, 12.11.2008, Los 154; Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Kaum auf dem kleinformatigen Gemälde sichtbar, steht unten auf dem Felssattel ein Jäger mit dem Gewehr im Anschlag. Über ihm steigt senkrecht eine mächtige, teilweise bewachsene Felswand auf, während sich unter ihm eine tiefe Schlucht im aufsteigenden Nebel öffnet. Das kleinformatige Gemälde zählt zu einer ganzen Werkgruppe von Motiven mit dem Thema „Adlerjäger“ (Wichmann 2002, Nr. 1124-1137), die Siegfried Wichmann zufolge um 1865/70 entstanden sind. Zur Figur des Jägers befindet sich eine vorbereitende Bleistiftzeichnung in Frankfurter Privatbesitz, doch ist er nicht die Hauptfigur. Diese ist ganz deutlich die romantisch überhöhte Landschaft, die den Jäger in sich aufnimmt. Das nächtliche, durch den Nebel brechende Licht, das einen Teil der Felswand bereits hell erleuchtet, hat den Jäger noch nicht erreicht. Er ist noch in das geheimnisvolle Dunkel gehüllt, in dem er angesichts der übermächtigen, erhabenen Natur verloren und orientierungslos wirkt – dies umso mehr, wenn man bedenkt, dass es sich um ein sogenanntes Vexierbild handelt: Dreht man das Gemälde in das Querformat, entsteht eine neue, gleichwertige Landschaft, in der der Jäger allerdings deplaziert wirkt.
Spitzwegs kleines Gemälde ist ein beredtes Beispiel für seinen „Blick nach Innen“ (Otto von Simson), mit dem er sich auch in der Landschaft dem monumentalen Anspruch der Münchner Historienmalerei widersetzte. Er war nicht nur der humorige Schilderer des Biedermeiers, sondern auch ein Landschaftsmaler ersten Ranges. Angeregt durch die Freundschaft zu Eduard Schleich d. Ä., mit dem er viele Reisen u. a. auch nach Paris unternahm, rückte die Landschaft spätestens seit den 1850er Jahren zunehmend ins Bewusstsein Spitzwegs. Die fein abgestimmten Tonwerte offenbaren höchste malerische Qualität und erzeugen zusammen mit dem symbolisch aufgeladenen Licht jenen atmosphärischen Reiz, der in der Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts unerreicht blieb.