Details

Roennefarth 1405; Wichmann 484.
Literatur:
Siegfried Wichmann, „Carl Spitzweg auf der Reise nach Prag“, München 1963, Transkription des Tagebuchs auf SS. 83-104;
Siegfried Wichmann, „Carl Spitzweg. Kunst, Kosten und Konflikte“, Frankfurt/Main und Berlin 1991, S. 341, Nr. 404.
Provenienz:
Galerie Fleischmann, München;
Kunsthandlung Julius Schlesinger, Berlin;
seit Jahrzehnten in Privatbesitz, Rheinland.

Beschreibung

Auch wenn Spitzweg in vielen seiner beliebten Kompositionen die biedermeierliche Idylle feierte, nahm er als interessierter, weltoffener Zeitgenosse Anteil an den gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Epoche, an Industrialisierung und technischem Fortschritt. Hier macht er den Kontrast von alter und neuer Zeit humorvoll überspitzt zum Thema seiner Komposition. Den größten Teil des Bildes nimmt das schattige Grün des Laubwerks ein, unter dem sich ein Gnom – bei Spitzweg die Verkörperung elementarer Erdkräfte – an einem kleinen Gewässer ausruht. Das Gehen scheint dem Alten nicht leicht zu fallen, er benötigt dafür zwei Stöcke, die er seitlich abgelegt hat. Wie eine Vision betrachtet er die über den Viadukt im hellen Sonnenlicht dahineilende Eisenbahn, die ohne jede Beschwerlichkeit, ja fast immateriell die Entfernung zu durchmessen scheint. – Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Eisenbahnnetz auch in Deutschland stark ausgebaut. Dieser Entwicklung stand Spitzweg, der häufig reiste, durchaus aufgeschlossen gegenüber, ja er beklagte sogar in seinem Tagebuch von 1849, dass etwa die Dresdner Strecke nur schleppend fertiggestellt wurde. So zeichnet sich im Gesicht des Gnoms, auf dem ein kleiner Abglanz des hellen Sonnenlichts liegt, weniger Skepsis ab als andächtiges Staunen.