Johann Michael Holzhey

Die Stiftung des Benediktinerklosters in Isny.

Details

Literatur:
Gebhard Spahr, „Oberschwäbische Barockstraße II. Wangen bis Ulm-Wiblingen. Geschichte, Kultur, Kunst“, Weingarten 1978, S. 75-76, Abb. 32.
Rupert Feuchtmüller in: Ausst.Kat. „Kunst und Kultur um den Bodensee. Zehn Jahre Museum Langenargen. Festgabe für Eduard Hindelang“, hrsg. von Ernst Ziegler. Sigmaringen, 1986, S. 161-166, mit Abb. 3, S. 165.
Georg Paula in: Ausst.-Kat. „Franz Anton Maulbertsch und sein schwäbischer Umkreis“, hrsg. von Eduard Hindelang. Museum Langenargen am Bodensee, Sigmaringen 1996, S. 456-458, mit Abb. S. 457.
Provenienz:
Dorotheum, Wien, Auktion, 13.4.1979, Los 61, mit Abb. Tafel XXXIII/53;
seitdem in Privatsammlung Wien, aufgebaut unter der Beratung durch Prof. Rupert Feuchtmüller.

Beschreibung

Modello für das Hauptfresko im Mittelschiff der ehemaligen Benediktinerklosterkirche St. Georg in Isny. Bruno Bushart hat den aus dem Allgäu stammenden Johann Michael Holzhey als Maler vorliegender Ölskizze bestimmt. Sie war die Vorlage für das Deckengemälde und gleicht ihm in fast allen Einzelheiten.
Ein schleifenförmiges Wolkenband, auf dem sich zahlreiche Heilige niedergelassen haben, durchzieht und untergliedert die Szene. Im oberen Teil umschließt es den auffahrenden Ordensgründer Benedikt, der seine Stiftung der über ihm schwebenden Dreifaltigkeit empfiehlt. Die Gründungsszene findet im unteren Bereich auf der Erde statt. Links unten weist ein Kaiser, begleitet von einem Mönch, mit seinem Zepter auf den alten Kirchenbau hin, der ihm auf einem Plan von zwei Dienern präsentiert wird. Für den Kaiser wurden u.a. Heinrich IV. und Friedrich I. vorgeschlagen, doch muss es sich bei ihm aufgrund der Kette mit dem goldenen Vlies und dem Doppeladler auf der Fahne des Pagen hinter ihm um einen Habsburger handeln (Paula). In der Mittelzone ist über dem Kaiser ein schwebender Abt zu sehen– wahrscheinlich Alphons Torelli, der als zweiter Gründer von Isny gilt. Auf dem Plan in seiner Hand ist der Grundriss der barocken Anlage zu sehen, der auch die Ansicht des Klosterkomplexes auf der rechten Seite entspricht. Die Stiftsgebäude waren ab 1650 errichtet worden, die Kirche wurde 1666 geweiht, der auf dem Plan erkennbare Turm 1709 vollendet. Mit der Darstellung der unterhalb der Stiftsgebäude dargestellten Hirsauer Mönche spielt Holzhey auf die erste Klosterkirche an, die 1046 geweiht und 1096 an die Hirsauer übergeben worden war. Auf der Wolkenbank über dem Abt sitzen die Kirchenpatrone St. Georg und Jakobus d.Ä., daneben leitet eine Versammlung nicht näher bestimmbarer Heiliger zu den Pestheiligen Sebastian und Rochus auf der rechten Seite über. In der obersten Zone halten Engel die Attribute Benedikts (Regelbuch, Mitra, Pedum und den Becher mit der Schlange).
Die Komposition hat Holzhey weitgehend von Paul Trogers 1745 im Konventsaal der Benediktinerabtei Melk ausgeführtem Fresko übernommen und, wie Feuchtmüller ausführt, nur wenige inhaltlich bedingte Anpassungen vorgenommen.
Über den Künstler Johann Michael Holzhey konnten 1996 im Rahmen der Ausstellung „Franz Anton Maulbertsch und sein schwäbischer Kreis“ genauere biographische Daten ermittelt werden. Seine Ausbildung erhielt er wahrscheinlich bei einem Mitglied der Malerfamilie Hermann in Kempten, später reiste er über Melk nach Wien. 1754 ist er an der dortigen Akademie immatrikuliert, zwischen 1759 und 1760 ist ein Italienaufenthalt belegt. 1760 erhielt er das Meisterrecht in Riedlingen, verstarb aber bereits zwei Jahre später.