Joseph Beuys zum 100. Geburtstag! 

Joseph Beuys zählt zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Ideen provozierten, erzürnten, polarisierten, begeisterten und scheinen heute wieder aktueller denn je, wenn wir danach fragen: Wie wollen wir leben? 

Wer je in den Genuss kam, Joseph Beuys zu hören, erkannte in ihm den Rheinländer durch und durch. Hier war der Künstler tief verwurzelt: Bei Alfred Schmela hatte er 1965 seine erste Galerieausstellung und machte zur Eröffnung mit der Aktion “Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt” von sich reden. In Düsseldorf verbrachte Joseph Beuys den größten Teil seines Künstlerlebens und lehrte als Professor an der Kunstakademie. Auch sein Beitrag “Straßenbahnhaltestelle” für die Biennale in Venedig 1976 nahm direkten Bezug auf das Rheinland:  Die Installation bezog sich auf eine Kindheitserinnerung in seiner Heimatstadt Kleve am Niederrhein.

In München hat Joseph Beuys eine kulturpolitische Lawine losgetreten und eine Zeitenwende eingeläutet. 1976 stellte das Kunstforum – nicht mehr als eine kleine Fußgängerunterführung unter der Maximilianstraße – das Environment “Zeige Deine Wunde” aus. Es besteht aus zwei Leichenbahren oder Betten sowie weiteren Utensilien aus dem medizinischen Kontext. Initiiert wurde die Ausstellung von der Galerie Schellmann & Klüser und erweckte zunächst kein großes Aufsehen. Zum Politikum mit öffentlich scharf ausgetragenen Kontroversen über Kulturpolitik und Kunstverständnis wurde das Environment erst, als Armin Zweite 1979 den Ankauf für das Lenbachhaus in die Wege leitete. Der Mäzen Christof Engelhorn hatte bereits zugesagt, die Hälfte des Kaufpreises zu übernehmen. Als städtisches Museum kam das Lenbachhaus für die finale Entscheidung über einen Ankauf jedoch nicht ohne den Stadtrat aus. Dort eskalierte die Diskussion geradezu, weil Beuys nicht verstanden wurde. Dass “Zeige Deine Wunde” ein zutiefst menschliches Anliegen hatte und jedem Betrachter zurief, er möge sich zu seinen eigenen Verletzungen, Schwächen, zu seiner Sterblichkeit bekennen, blieb damals weitgehend unverstanden. Glücklicherweise siegte der Kunstverstand und das Werk ist in München geblieben. Ihm gehört heute ein eigener Raum im Lenbachhaus und es zählt zu den wichtigsten Arbeiten des Künstlers. Zum Lenbachhaus gehört heute auch die Beuys-Sammlung des Sammlers und Verlegers Lothar Schirmer. In der benachbarten Pinakothek der Moderne befindet sich mit den Multiples aus der Sammlung Klüser eine der umfangreichsten ihrer Art.

Joseph Beuys gehört zu München, seiner jüngeren Kulturgeschichte und seinen Museen. Und auch wir von Karl & Faber durften mit ausgewählten Werken in das Beuyssche Universum eintauchen. 2012 wurde aus Familienbesitz eine sehr frühe Arbeit des Künstlers in einem Düsseldorfer Banktresor entdeckt und uns anvertraut. Wir haben herausgefunden, dass “Wegweiser für den Khan” von 1963 bei Alfred Schmela in Joseph Beuys erster Galerieausstellung zu sehen war. Der Hammer fiel bei € 120.000. Im November 2014 haben wir geschlossen eine umfangreiche Sammlung von Multiples versteigert, teils Raritäten, die selten oder nie auf dem Auktionsmarkt angeboten wurden. Das Ergebnis – ein white glove sale.

Anlässlich seines 100. Geburtstags möchten wir Joseph Beuys in unserer Sommerauktion würdigen.
Liefern Sie jetzt ein!