9. Mai 2019

Vorbericht | Blauklang und Farbenpracht

Vorbericht zur Auktion Moderne Kunst / Mittwoch, 5. Juni 2019, 16 Uhr

München, 9.5.2019

Blauklang und Farbenpracht bei KARL & FABER

ZWISCHEN VANITAS UND LEBENSENERGIE: FARBPRÄCHTIGE BLUMENSTILLLEBEN MIT TIEFGANG

Ein abstraktes Ölgemälde von Ernst Wilhelm Nay, ein seltenes Frühwerk von Erich Buchholz sowie drei Blumenstillleben von Hermann Max Pechstein, Augusto Giacometti und Emil Nolde stehen an der Spitze der Highlights der Frühjahrsauktion für Moderne Kunst bei KARL & FABER, die am Mittwoch, 5. Juni 2019, ab 16 Uhr stattfinden wird.

Im Mai 1917 wurde Hermann Max Pechstein von der Luftwaffe in Berlin angefordert, um dort zum Bildbeobachter ausgebildet zu werden. Von seiner Wohnung aus durfte er für die Flugzeugindustrie arbeiten, nutzte die Zeit aber vor allem für künstlerische Arbeit und war produktiv wie nie zuvor. In dieser Zeit entstand u.a. sein Ölbild Calla-Stillleben im Spiegel (1917, Los 519, Taxe € 180.000/240.000). Der Großteil der Darstellung wird als Spiegelung wiedergegeben. Spiegel versus Calla-Blume: Ein Symbol der Vergänglichkeit trifft auf ein Symbol des ewigen Lebens. Pechstein schafft hier wortwörtlich eine Reflexion der Schönheit und Vergänglichkeit. In einer Zeit des Kriegs und der materiellen Entbehrung stellt Pechstein hier ein üppiges und tiefsinniges Stillleben in strahlenden Farben dar.

Sein Stillleben mit Ranunkeln malte Augusto Giacometti (Los 515, Taxe € 100.000/150.000) 1917 in Zürich. Die Blumenkomposition wirkt flächig ornamental, der pastose Auftrag leuchtet in allen Farben. Blumenmotive prägen ab 1918 auch das Werk Emil Noldes. Das um 1930/35 entstandene Aquarell Blaue und gelbe Schwertlilien (Los 537, Taxe € 80.000/100.000) offenbart die Freude des Gartenliebhabers an farbintensiven Kompositionen voller Strahlkraft und Lebensenergie.

BLAUKLANG: ERNST WILHELM NAY ZWISCHEN MUSIK UND KUNST

Ernst Wilhelm Nays auf Dynamik, rhythmische Akzente und frische Farbwirkung setzendes Gemälde Blauklang (1953, Los 548) ist mit einer Taxe von € 250.000 bis € 300.000 das teuerste Los im farbenprächtigen Angebot des Münchener Auktionshauses. Formal wie inhaltlich zählt das Bild zu den schönsten Werken aus der Reihe der „Rhythmischen Bilder“, die Nay 1952 und 1953 malt. Diese Inspiration fand der Maler in Köln, damals Zentrum der „Neuen Musik“. Die Musik schlägt sich in seinem Duktus, seinen Bildkompositionen sowie in den Titeln seiner Werke. Als der Jazz-Musikproduzent und Kunstliebhaber Siggi Loch vor über dreißig Jahren das Gemälde Blauklang erwirbt, wird es zum Grundstein seiner hochkarätigen Sammlung moderner Kunst und zum Auslöser für die Entscheidung, die Sammlung thematisch ausschließlich der Farbe Blau zu widmen. Etwa zur selben Zeit wie Ernst Wilhelm Nay entdeckt auch Loch Anfang/Mitte der 1950er Jahre den Jazz und macht ihn zu seinem Beruf. Und so wie Nay sich von der Musik zu zahlreichen Gemälden inspirieren ließ, so wurde Loch von Nays Blauklang zu einem gleichnamigen Jazz-Album inspiriert.

KONSTRUKTIVISMUS UND BAUHAUS: GEOMETRISCHE ABSTRAKTION

Mit einem Schätzpreis von € 120.000/140.000 wird Erich Buchholz‘ Gemälde Ringeln Kreisen (1920, Los 528) angeboten. Frühwerke des Künstlers sind selten auf dem Auktionsmarkt zu finden, da sie sich fast ausschließlich in Museumsbesitz (u.a. Berlinische Galerie, Museum of Modern Art New York, Sammlung Rothschild in New York) befinden. Am 15.6.1954 schrieb Buchholz Albert Einstein und beschrieb dabei seine künstlerischen Erkenntnisse: „in der abstrakten malerei ist das zurückgehen oder wiederbesinnen auf die grundmomente der fläche das A und O. diese grundmomente sind: linie und kurve, gerade und gekrümmte, quadrat und kreis.“ (sic)

Passend zum diesjährigen 100. Bauhaus-Jubiläum beinhaltet die Offerte geometrisch-abstrakte Druckgrafiken von zwei Bauhaus-Lehrern, im Besonderen das sehr seltene Blatt Abstufungen von László Moholy-Nagy (1924, Los 527, Taxe € 15.000/20.000) und die farbige Lithografie Orange von Wassily Kandinsky (1923, Los 524, Taxe € 50.000/70.000). Auch das 5. Blatt der 1. Kestner-Mappe Der Prounenraum von El Lissitzky (1923, Los 525, Taxe: 15.000/20.000), der als Mitbegründer des Konstruktivismus die De-Stijl-Bewegung sowie das Bauhaus stark beeinflusste, kommt unter den Hammer.

FRANZÖSISCHE AVANTGARDE: GAUGUIN, SIGNAC, LAURENCIN, PICASSO UND BUFFET

Einen wichtigen Schwerpunkt dieser Auktion bildet eine Reihe französischer Werke des frühen 20. Jahrhunderts, die selten auf dem deutschen Markt vorzufinden sind. Paul Signacs kleines Ölgemälde Cathédrale d’Anvers (1888, Los 510, Taxe € 70.000/90.000) zeigt Einflüsse des Impressionismus und des Pointillismus, dessen Sprachrohr und Verfechter er nach seiner Begegnung mit Seurat 1884 wurde. Marie Laurencin entwickelte abseits der kubistischen Bewegung, der sie nahestand, einen selbstständigen Stil, geprägt von einer luftigen und zarten Farbpalette. Ihr Ölgemälde Jeune femme à la guitare (Los 513, Taxe € 80.000/120.000) aus den späten 1940er Jahren zeigt das Porträt einer jungen Frau mit Musikinstrument, ein für die Muse Guillaume Apollinaires charakteristisches Motiv.
Mit seiner Zeichnung Nu assis (Etude pour l’idole) (Los 509, Taxe € 40.000/50.000) fertigte Paul Gauguin ca. 1891/93 eine Studie für sein späteres Gemälde L’idole (Rave te hiti ramu) aus dem Jahr 1898, die er später in den beiden Werken Et l’or de leur corps sowie Auti te pape (Les femmes à la rivière) wieder aufgreift.

Zur Offerte zählt noch ein hervorragender Holzschnitt von Aristide Maillol (La Vague, 1895/98, Los 511, Taxe: € 9.000/12.000) sowie das Spätwerk Venus et l’amour, d’après Cranach (1949/51, Los 541, Taxe: € 75.000/80.000) von Pablo Picasso. In dieser Radierung interpretiert der spanische Künstler, der Teil der französischen Avantgardebewegungen war, das Gemälde Venus und Amor von Lucas Cranach d. Ä. mit Hell-Dunkel-Effekten neu, und verleiht dabei der Venus das Gesicht seiner damaligen Geliebten Geneviève Laporte.

Eine weitere eigenständige Position in der französischen Kunst nach 1945 vertritt das Stillleben von Bernard Buffet (1963, Los 554, Taxe € 70.000/80.000). Buffet, dem das Musée d’Art moderne de la Ville de Paris letztes Jahr eine Retrospektive widmete, setzt das Motiv in strenger Linienführung um, um es dann stark pastos auszuführen. Seine unverwechselbare Bildsprache und seine als Markenname gesetzte Signatur ließen seine Kunst zum Inbegriff der „Trente Glorieuses“ werden.

SCHLÜSSELFIGUREN DER ITALIENISCHEN MALEREI IM 20. JAHRHUNDERT

Dank einer starken Repräsentanz in Italien kann KARL & FABER in seiner Frühjahrsauktion für Moderne Kunst eine Auswahl von Werken italienischer Künstler präsentieren. Dazu gehören u.a. eine zeitlose Radierung Natura Morta (Los 550, Schätzpreis: € 30.00/40.000) von Giorgio Morandi aus dem Jahr 1933 sowie Werke aus den 1950er Jahren wie das kompositorisch reduzierte Spätwerk La capanna sulla spiaggia (1951, Los 551, Taxe: € 12.000/15.000) von Carlo Carrà, wichtige Schlüsselfigur der italienischen Malerei des 20. Jahrhunderts, ein Ölgemälde mit bäuerlichem Motiv L’aratura anzi campagna (1950 Los 552, Taxe € 9.000/12.000) des bekannten Art brut-Künstlers Antonio Ligabue oder ein schonungslos realistisches Selbstporträt von Giorgio De Chirico im Alter von 65 Jahren (1953, Los 553, Taxe: € 40.000/60.000).

ONLINE ONLY AUKTION: ZUM ERSTEN UND ZUM ZWEITEN…

Nach dem erfolgreichen Anlauf seiner ersten Online Only Auktion für „Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts“ im April 2019 bietet KARL & FABER nun auch für „Moderne Kunst & Zeitgenössische Kunst“ eine erste Online Only Auktion an: Von Mittwoch, 22. Mai, ab 9 Uhr bis Freitag, 31. Mai 2019 um 18 Uhr können Interessierte qualitätsvolle Werke entdecken, die in der Regel einen Schätzpreis von bis zu € 1.000 haben, und diese ohne Zeitdruck, bequem und aufgrund des 2-wöchigen Widerrufsrechts risikofrei über Internet ersteigern. Registrieren und bieten laufen über: www.karlundfaber.de/kaufen/online-only/ oder www.invaluable.com

KONTAKT

Dr. Anne-Cécile Foulon
Leiterin Kommunikation & Development
KARL & FABER Kunstauktionen GmbH
Amiraplatz 3 | D – 80333 München
presse@karlundfaber.de
T +49 89 24 22 87-17 / F +49 89 22 83 350
www.karlundfaber.de

 

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Pressemitteilung Auktion 289| Vorbericht Karl und Faber

Fotoindex Moderne Kunst | Frühjahr 2019