Karl Schmidt-Rottluff

„Sommermorgensonne“

Details

Provenienz:
Privatsammlung, Süddeutschland, 1970 direkt beim Künstler erworben;
Lempertz, Köln 3.6.2016, Los 334;
Privatbesitz, Bayern.

Beschreibung

• Charakteristische Arbeit, die Schmidt-Rottluffs Interesse an unterschiedlichen Lichtverhältnissen zeigt
• Lichtdurchflutete und großformatige Landschaft
• Das Aquarell zählt im Spätwerk des Künstlers zu seinem wichtigsten malerischen Medium

Die Aquarell-Technik begleitet Karl Schmidt-Rottluff in seiner künstlerischen Tätigkeit von Anfang an und wird vor allem in seinem Spätwerk zu seinem wichtigsten Medium, nachdem er die Ölmalerei 1963 altersbedingt aufgeben muss. Intensiv setzte er sich mit dem Einfluss von Farbe und Licht als kompositorische Elemente auseinander. Auch die „Sommermorgensonne“ zählt zu diesen spät entstandenen Werken und zeigt, wie kraftvoll Schmidt-Rottluff Landschaften im großformatigen Aquarell darzustellen vermochte. Bemerkenswert ist hier, dass Schmidt-Rottluff gerade die titelgebende Sonne als Leerstelle nur mit schwarzer Kontur und ganz ohne Farbe malt, gleißend hell und mit zartrosafarbenem Halo scheint sie auf die statisch wirkende Landschaft herab.

„Spezielle Lichtverhältnisse und Lichtsituationen spielen in Schmidt-Rottluffs Werk der Nachkriegszeit eine herausragende Rolle und sind ein Schlüssel zu dessen Interpretation. ‚Am lebhaftesten agiert das Licht‘, konstatierte Will Grohmann bereits 1956 in der ersten Monografie über den Künstler. So erzeugte Schmidt-Rottluff entsprechende Stimmungen und verwies mit Bildtiteln wie etwa ‚Morgendämmerung‘ (1958) oder ‚Nachmittagssonne‘ (1963) (oder der hier angebotenen ‚Sommermorgensonne‘ von 1963) gezielt auf das Moment Zeit, als Tages- oder Jahreszeit. Und es ist das Licht, das in den Bildern die Konturen auflöst und die Gegenstände immer mehr entmaterialisiert. Dabei wurde der Entkörperlichung der Gegenstände deren energetische Aufladung entgegengestellt. So werden insbesondere die Landschaftsdarstellungen zu Metaphern von Wachstum und Energie. Mit diesen überzeitlichen Kategorien antwortete Karl Schmidt-Rottluff auf eine zunehmende Entsinnlichung einer modernen industrialisierten Welt. Ihr wurde die Weltordnung der Natur mit ihrer immer wiederkehrenden Vitalität entgegengesetzt, die der Maler in seinen Bildern festhielt. Damit stand Schmidt-Rottluff nicht allein, sondern der sogenannten naturmagischen Schule um die Lyriker Oskar Loerke (1884-1941) und Wilhelm Lehmann (1882-1968) sehr nahe. (…) Diese Künstler entstammten derselben Generation und sie verband die Suche nach Sinnstiftung durch den Kreislauf der Natur.“ (Marc Gundel, Expressionismus und Naturverbundenheit nach 1945, in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Reiner Ausdruck, Städtische Museen Heilbronn, München 2015, S. 123 f.).