Paul Klee

„Haelften, der Clown“

Details

The Paul Klee Foundation VII, 7228.

Literatur:
Grohmann, Will, Paul Klee, Stuttgart 1954, mit Abb. S. 379.

Ausstellungen:
Schweizer Zeichnungen im 20. Jahrhundert, Staatliche Graphische Sammlung, München u.a. 1971, Kat.-Nr. 81 mit Abb.;
Paul Klee. Spätwerk. Arbeiten auf Papier 1937-1939. Württembergischer Kunstverein, Stuttgart/Kunsthalle, Emden 1990/1991, Kat.-Nr. 43 mit Abb.;
Paul Klee. Die Sammlung Bürgi, Kunstmuseum, Bern u.a. 2000, Kat.-Nr. 133 mit farb. Abb.;
Kunstmuseum, Bern, Dauerleihgabe 2002-2005;
Zentrum Paul Klee, Bern, Dauerleihgabe 2005-2007;
Zwischen Himmel und Erde. Bilderwelten von Paul Klee, Stadtmuseum, Lindau 2017;
Paul Klee. Musik und Theater in Leben und Werk, Galerie Thomas, München 2018.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers/Sammlung Lily Klee, Bern, 1940-1946;
Klee Gesellschaft, Bern, 1946-1950;
Sammlung Rolf Bürgi, Bern, 1950-1967;
Privatbesitz, Schweiz, 1967-1995;
Privatbesitz, Schweiz, 1995-2000;
Privatbesitz, Schweiz, 2000-2010;
Kunsthandel Florian Sundheimer, München, dort erworben 2010;
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen.

Beschreibung

In der Rückbesinnung auf seine Kindheit findet Paul Klee in der letzten und gleichzeitig produktivsten Phase seines künstlerischen Schaffens zu einem spontanen und befreiten Stil des Zeichnens und Malens. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit spiegelt sich in dem Spätwerk des Künstlers und beinhaltet als Kern die Suche von Paul Klee nach der eigenen Identität (vgl. Zentrum Paul Klee, Bern, Paul Klee Leben und Werk, S. 318 f.).

Sein spontaner Stil schlägt sich in einer Vielzahl von Bildern nieder, die an Kritzeleien oder Fingerübungen von Kindern erinnern. Demzufolge ist diese Periode im Werk von Paul Klee von fantastischen Personen wie Akrobaten, Tierwesen und grotesken Maskenträgern gekennzeichnet.

„Haelften, der Clown“ aus dem Jahr 1938 greift sinnbildlich den Impetus dieser so wichtigen Periode von Paul Klee auf. Das Gesicht des Clowns ist in zwei Hälften geteilt, was wohl auch gleichsam den Titel der Arbeit widerspiegelt. Auffallend an der Ausarbeitung des Gesichts sind Nase und Mund, die Klee zwischen die Hälften gespannt hat. Das Profil der Nase erinnert an das Gemälde „Arlequin jouant de la guitare“ von Pablo Picasso, das dieser im Jahr 1918 angefertigt hat. „Haelften, der Clown“ erinnert mit dem zweigeteilten Gesicht auch an zwei eigene Werke von Klee, dem Gemälde „Clown“ (1929) und dem „Clown im Bett“ (1937). Im Leben von Paul Klee spielte neben der Malerei die Musik eine große Rolle. So lassen sich auch die Zähne des Clowns deuten, die einer Klaviatur nachempfunden sind. Paul Klee referenziert damit nicht nur auf seine eigene Leidenschaft, sondern „ehrt“ damit gleichsam den Schweizer Clown Grock, der 15 Musikinstrumente wie Geige, Klavier, Saxofon, Klarinette beherrschte.

Der Clown steht allerdings nicht nur für Heiterkeit, sondern gilt immer auch als Synonym für eine Person, die von der Umwelt nicht verstanden wird. Damit eröffnet sich eine Parallele zu Paul Klee selbst. Als die Arbeit 1937 entsteht, ist er von den Nationalsozialisten längst zur persona non grata erklärt worden. Bereits 1933 wird er von den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“ und „politisch unzuverlässige Person“ bezeichnet und muss am 21. April desselben Jahres seine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf aufgeben. Daraufhin verlässt er Deutschland und kann an Heiligabend in das Haus seiner Eltern in Bern einziehen. In Deutschland werden in den folgenden Jahren mehrere Werke von Paul Klee aus den Museen entfernt und beschlagnahmt. Auch diese Wendung im Leben von Paul Klee, mit der Diffamierung als „entarteter Künstler“, stellt der Clown auf subtile Art und Weise dar.

Die Zeichnung befindet sich von 1950 bis 1967 in der bekannten Sammlung von Rolf und Käthi Bürgi. Rolf Bürgi begann bereits im Alter von 19 Jahren mit dem Sammeln. Der erste Kauf geschieht bei Paul Klee persönlich, indem er ein Aquarell auf Raten vom Künstler erwirbt. In der Folgezeit avanciert er zusammen mit seiner Frau zu den wichtigsten Sammlern von Paul Klee. Sie erweitern ihren Radius in späteren Jahren unter anderem auf Feininger und Kandinsky. Mit 150 Ölbildern, Zeichnungen und Lithographien gilt die Sammlung heute als eine der umfangreichsten privaten Sammlungen von Paul Klee.