Details

Bloch 1086; Baer 1330 I (von II).

Beschreibung

Vom Drucker Hidalgo Arnéra am unteren Rand signiert und bezeichnet „Femme nue assise 1962 – linogravure originale de Picasso“. Zusätzlich verso nochmals signiert und bezeichnet „Linogravure Originale de Picasso“.

Der weibliche Akt ist eines von Picassos wichtigsten Themen. Immer wieder greift er dieses Motiv auf. In seinem Spätwerk wird der Akt, zusammen mit dem Motiv des Künstlers und sein Modell, zum besonderen Schwerpunkt. Seit Juni 1961 lebt Picasso mit seiner zweiten Frau Jacqueline Roque in Mougins, einem Dorf in den Hügeln oberhalb von Cannes. Fast obsessiv porträtiert er sie, ihr Gesicht, ihren Körper. Jacqueline Roque ist 45 Jahre jünger als Picasso und hat eine ähnlich kurze, stämmige Statur und große, strahlend dunkle Augen wie der Künstler. Die beiden lernen sich 1953 kennen. Schnell wird Jacqueline zu Picassos Geliebter, Muse und schließlich Ehefrau. Sie ist die letzte große weibliche Präsenz in Picassos Leben und das Motiv zahlreicher Gemälde und Drucke, die in den folgenden zwanzig Jahren entstehen. Jacqueline erscheint zum ersten Mal in Picassos Zeichnungen in seiner Serie „Der Maler und sein Modell“, die Anfang 1954 entsteht. Während ihr markantes Profil immer wieder auftaucht, vor allem in seinen Lithographien und Radierungen in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, ist es ihr Körper, den Picasso in seinen vielen Darstellungen des weiblichen Akts und der Erotik in den 1960er und frühen 1970er Jahren zeigt.

Mit ihrem winzigen Kopf über einem monumentalen Körper, auf einem blockartigen Gebilde sitzend, hat der Akt in diesem Bild eine rohe Körperlichkeit. Diese wird durch das Medium des Linolschnitts betont – die grobe lineare Herausstellung ihres Körpers suggeriert einen Primitivismus, der oft mit dem Holzschnitt assoziiert wird. Ihre schweren Hüften und ihr langes Haar erinnern an die Figur in einem etwas früheren Linolschnitt – Grand nu dansant (4. März, Bloch 1085/Baer 1309) -, der eine Dame mit großem Hinterteil in einer tanzenden Pose zeigt. Beiden Bildern gemeinsam ist der doppelte Blickwinkel, der es erlaubt, das Gesäß gleichzeitig mit den Brüsten zu sehen – eine kubistische Taktik, die der Künstler zu dieser Zeit auch bei den Porträts von Jacquelines Gesicht anwendet, wie in „Portrait de Jacqueline de face. I“ und „Portrait de Jacqueline de face. II“ (Bloch 1063) und „Jacqueline au bandeau de face“ (Bloch 1069). Diese Verdoppelung des Blickpunktes auf den weiblichen Akt wird zu einem bedeutenden Merkmal in seinen Gemälden und Graphiken der folgenden zehn Jahre avancieren.