Ernst Ludwig Kirchner

Mann und Frau (wohl nach Ajanta)

Details

Ausstellung:
Ernst Ludwig Kirchner zum 120. Geburtstag. Die Faszination des Exotischen, Ketterer, München 2000, Kat.-Nr. 20, mit farb. Abb. S. 38.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers, verso mit dem Basler Nachlassstempel (Lugt 1570 b), dort mit der handschriftlichen Registriernummer „Ko 166“ und der Nummerierung „K 10614“;
Privatsammlung, Bayern, vom jetzigen Besitzer in der Ausstellung 2000 erworben.

Beschreibung

Verso mit der Nummerierung „952.“.

Die Zeichnung eines Paares im Gespräch zeichnet Kirchner um 1910/11 nach seinen Eindrücken der von John Griffith 1896/97 verfassten Publikation über die Höhlentempel von Ajanta, die 1819 von den Engländern nordöstlich von Aurangabad in Maharashtra/Indien entdeckt wurden. Die zweibändige Publikation, die der Künstler bei seiner Beschäftigung mit der außereuropäischen Kunst während eines Besuchs der Kunstbibliothek der Dresdner Museen 1910 für sich entdeckt, animiert ihn zu einer Reihe von Zeichnungen. Kirchner kopiert dabei einen Teil der Fresken und äußerte sich selbst dazu: „Durch Zufall fand ich Griffith’s indische Wandmalereien (…). Diese Werke machten mich fast hilflos vor Entzücken. Diese unerhörte Einmaligkeit der Darstellung bei monumentaler Ruhe der Form glaubte ich nie erreichen zu können (…). Ich zeichnete vieles an den Bildern ab, um nur einen eigenen Stil zu gewinnen, und fing an, große Bilder zu malen (…).“ (zit. aus: Hyang-Sook, Kim, Die Frauendarstellungen im Werk von Ernst Ludwig Kirchner. Verborgene Selbstbekenntnisse des Malers, 2002, S. 61).
In dieser Zeit wird Kirchners Zeichenstil zunehmend weicher und runder. Die vorliegende Zeichnung ist ein schönes Beispiel dieser Schaffensperiode. – Blattkanten minimal unregelmäßig. Einzelne Atelier- und Gebrauchspuren. Verso Reste von Klebespuren und Montierungen. Sonst altersgemäß schön.