Charles Palmié

Abendstimmung beim Bach (Giverny)

Details

Provenienz:
Galerie Commeter, Hamburg, verso auf dem Rahmen mit Etikett und handschriftliche Nr. „541“; Privatbesitz, Saarland.

Beschreibung

Verso auf dem Keilrahmen Etikett mit handschriftlicher Betitelung und Nr. „3“, auf dem Rahmen altes Etikett der Galerie Commeter sowie diverse handschriftliche Nummern.
Charles Palmié zählt neben Paul Baum zu den ersten deutschen Malern, die in den 1890er Jahren den französischen Impressionismus für sich entdecken. Unverkennbar ist bei Palmié insbesondere der Einfluss Claude Monets. Vermutlich sieht er dessen Werke bereits 1891 auf der Glaspalastausstellung, wo erstmals vier seiner Gemälde in München öffentlich ausgestellt werden. In den folgenden Jahren entwickelt Palmié eine ganz eigene, charakteristische Ton-in-Ton-Malerei, die sich zwischen Impressionismus und Neoimpressionismus wiederfindet. Er ist, wie alle Freilichtmaler, fasziniert von der Wirkung des Lichts und den daraus resultierenden unterschiedlichen atmosphärischen Stimmungen. So ist es nur konsequent, dass der vielreisende Palmié 1905 auf den Spuren der Impressionisten nach Frankreich, insbesondere nach Paris, Rouen und in die Normandie reist. In Giverny lernt er 1906 Claude Monet persönlich kennen und malt eine ganze Serie von Landschaftsgemälden. Auch die „Abendstimmung am Bach“ entsteht dort, sozusagen im geistigen Zentrum des Impressionismus. Palmié wählt als Sujet ein ruhiges, baumgesäumtes Bachufer im diffusen Licht der Abenddämmerung. Interessant wird das an sich unspektakuläre Motiv durch den sehr eigenwilligen Bildausschnitt, der dem Betrachter eine komplexe Perspektive zumutet: auf den ersten Blick wähnt er das Bild verkehrt herum, doch sind es nur die Bäume am gegenüberliegenden Ufer, die als flimmerndes Spiegelbild auf dem ruhigen Wasser des Baches kopfstehen. Die Bäume am diesseitigen Ufer schneidet Palmié derart an, dass lediglich die glatten, geraden Stämme zu sehen sind und der Betrachter sich die Baumkronen weit außerhalb des oberen Bildrandes denken muss. Ganz im (neo-)impressionistischen Sinne zerlegt Palmié die Szene am Bach in kleine, feingetupfte Pinselstriche mit zahlreichen Violett- und Blautönen, die des diffuse Abendlicht auf die Naturszene zaubern.