Rembrandt Harmensz. van Rijn

Christus vor Pilatus – Ecce Homo (großes Format)

Details

Bartsch 77; White/Boon 77 IV (von V); Hinterding/Rutgers (The New Hollstein) 155 IV (von V).

Beschreibung

Hervorragender, klarer und reiner Frühdruck mit dem für den vierten Zustand angegebenen Wasserzeichen. Die zusätzlichen Strichlagen im Gesicht des Mannes links von der Hand des Pilatus sind gut erkennbar, die Zeichnung der zentralen Figuren ist kräftig und präzise. Das Blatt entstand vor der Adresse des Verlegers „Rembrandt pinxit. Malboure excud. Rue St. Jacques“ (links) und „au dessus de St. Benoit a l’Imprimerie de taille douce“ (rechts) im Unterrand. Bis an die Darstellung geschnitten, teilweise noch mit einem feinen Rändchen.
Das dramatische Geschehen verdichtet sich in der Person des Präfekten Pontius Pilatus, der sich von seinem Thron erhoben hat, um mit einer beschwichtigenden Geste die ihn bedrängenden Hohepriester abzuwehren. Einer von ihnen hat Pilatus die Gerichtsrute entrissen, womit er die Verantwortung für den Richterspruch übernimmt, während Pilatus mit seiner abweisenden Hand ausdrückt, dass er gegen das Todesurteil ist. Es ist erstmals Rembrandt, der die Schuldfrage am Tod Christi so bewertet hat; zuerst hat er sie in einer seitenverkehrten Ölgrisaille (National Gallery, London) vorgetragen, die er für die grafische Umsetzung in den Details nur wenig veränderte.
Rembrandt hatte sich neben seiner Tätigkeit als eigenständiger Maler und Radierer in den frühen 1630er Jahren auch mit Reproduktionsgrafik beschäftigt. Sein Vorbild war Rubens, der seine Gemälde in Antwerpen von berufsmäßigen Stechern reproduzieren ließ, um diese besser verbreiten zu können. Joris van Vliet radierte 1631 vier Blätter, die Rembrandt als „inventor“ nennen. Vorliegende Radierung galt früher meist als eigenständige Arbeit Rembrandts, er dürfte aber nur letzte Korrekturen auf den Platten vorgenommen haben, bevor er das Blatt unter seinem Namen und mit dem Privilegvermerk veröffentlichte. Knapp innerhalb der Plattenkante geschnitten. – Eine kreisrunde Fehlstelle (ca. 2 cm im Durchmesser) oberhalb des Kopfes Christi wurde professionell ergänzt: Dazu wurde vom Restaurator die entsprechende Partie aus Armand Durands Heliogravure verwendet. Verso mit geglätteten und teilweise restaurierten Falten. Das Papier etwas nachgedunkelt und mit kleineren, zum Teil restaurierten Randmängeln. Für die Größe des Blattes gut erhalten.