Details

Provenienz:
Privatsammlung, Schweiz.

Beschreibung

1986 kommt Leiko Ikemura nach dem Studium der Malerei in Spanien und verschiedenen Arbeitsaufenthalten in ganz Europa nach Köln. Ihre Werke sind in dieser Zeit gekennzeichnet durch eine lebhafte, kantige Strichführung und monumentale Großformate. Auch das Gemälde „Kind mit Katze“ beeindruckt durch das großflächige Hochformat, auf dem sich ein Kind in nahezu lebensgroßer Gestalt zu einer Katze hinunterbeugt. Mit ruhiger, fast maskenhafter Mimik blickt das Kind am Betrachter vorbei und fixiert einen unbekannten Punkt in der Ferne. In kniender, seitlich aufblickender Position spiegelt es die Haltung der Katze wider, die in leuchtendem Gelbton den linken unteren Bildrand markiert. Hinterfangen wird die Szene von monumentalen, weißen Architekturfragmenten, die von blauen Versatzstücken wie Schattenspiele durchbrochen werden. Auch auf den wenigen kargen, daneben aufstrebenden Bäumen findet sich dieses Schattenspiel wieder. Zwischen locker aufgetragenen, wolkigen Flächen, die in verschiedenen Blaunuancen vor der Kulisse mal vor-, mal zurücktreten, ergänzt grün gefächertes Laub die Farbkomposition. Eine zweite, schwarze Katze ruht wie ein stiller Beobachter in einem der Baumwipfel. Landschaft und Architektur lassen sich nicht verorten – japanische und europäische Ideen von Natur und Baukunst werden verbunden. Auch Anklänge der traditionellen japanischen Tuschmalerei lassen sich in der kantigen, teils verlaufenden Malweise und der Silhouette der Bäume wiederfinden. Neben der Beschäftigung mit Bildern und Erinnerungen aus der eigenen Kindheit in Japan ist auch die Berührung des Menschen mit der Natur ein zentrales Thema im Werk Leiko Ikemuras. Kind, Tier, Natur und Architektur werden in „Kind mit Katze“ in raschem, gestricheltem Pinselduktus zu einer innigen Szene verbunden, Ort und Geschichte bleiben dabei im Vagen. Die figurative und erzählerische Darstellung ist ganz dem Werk der 1980er Jahre verpflichtet und soll später einer poetisch reduzierten Bildsprache weichen. Doch es ist genau jene geheimnisvolle Stille und Enthüllung einer verwunschenen, imaginären Innenwelt, die das Gesamtwerk Leiko Ikemuras bestimmt und auch dem Gemälde „Kind mit Katze“ seine besondere Präsenz verleiht.