Wilhelm von Kobell

6 Bll.: „Six Dessins Pittoresques de la Bavière d’après Nature par Guilleaume Kobell à Munic“

Details

Literatur:
Siegfried von Pückler-Limpurg: Wilhelm von Kobell. Ergänzungen zu Andresens Verzeichnis seiner Radierungen, in: Die Graphischen Künste 30, 1907, Beilage, Nr. 8 e;
Waldemar Lessing: Wilhelm von Kobell, München 1923, S. 204, Nr. L. 1-6;
Monika Gœdl-Roth: Wilhelm von Kobell. Druckgraphik. Studien zur Radierung und Aquatinta mit kritischem Verzeichnis, München 1974, S. 34-37, Nr. 4-8, Abb.

Provenienz:
Karl & Faber, Auktion 176, 30.11./1.12.1988, Los 327, Tafel 19-21;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Alle sechs Blätter der radierten und aquarellierten Ansichten aus Bayern sind unsigniert, doch kommen sie in Originalmappen mit der Aufschrift „Six Dessins (sic!) Pittoresques de la Bavière d’après Nature par Guilleaume Kobell à Munic“ vor. Im Gegensatz zu den Münchner und römischen Folgen sind sie von vornherein auf Kolorierung angelegt. Die feine Umrissradierung übernimmt hier die Funktion der „Vorzeichnung“, die von Kobell eigenhändig als selbständiges, vollgültiges Aquarell ausgestaltet wurde. Kobell hat sie unter vollem Einsatz seiner malerischen Mittel bildmäßig ausgearbeitet, weshalb sie als eigenständige Aquarelle anzusehen sind.
Gegenüber späteren Exemplaren der Folge, die Kobell in der Zeit um 1815 bis 1830 mit einer hellen und intensiven, allerdings weniger nuancierten Kolorierung versehen hat, zeichnen sich unsere Ansichten durch eine individuelle, stark differenzierte und in der Tonalität fein abgestufte Farbigkeit aus. Kobell verfolgt in ihnen verschiedene Wetterphänome und -stimmungen, die vom aufziehenden Gewittersturm, der Abendstimmung bei Mondschein bis zum Morgen im Sonnenschein reichen.
Kobells Vater Ferdinand hatte bereits in Mannheim seinen Sohn ermutigt, „die Gegenden Bayerns in Heften in brauner Zeichnungsmanier (Aquatinta) herauszugeben“ (Lessing 1923, S. 142). Zu den Aquatintaradierungen ist es nicht gekommen, doch hat Kobell wohl noch vor 1800 die Radierungen – vermutlich um 1799 – angefertigt. Es handelt sich bei der vorliegenden Fassung um den bisher nur in diesem Exemplar bekannten ersten Zustand der Folge – nicht um Probedrucke, wie wiederholt zu lesen ist –, die sich durch eine feinere Strichführung der radierten Linien, aber auch durch Unterschiede in den Details der einzelnen Ansichten auszeichnen. In den späteren Versionen hat Kobell vor allem die Silhouetten der Berge ebenfalls als Umrissradierung angelegt.

Die gesamte Folge befindet sich in sehr gutem Zustand und ist farbfrisch erhalten, Bl. 3 mit einer leichten Quetschfalte am linken Rand, Bl. 4, Bl. 5 und Bl. 6 im oberen Rand etwas wellig, das letzte Blatt außerdem im Himmel gebräunt und an den Rändern stellenweise mit Oxydationsflecken.
Sehr selten, absolute Rarität in der frühen Ausführung!