Karl Hubbuch

Sich schminkende Frau

Details

Literatur:
Ausst.-Kat., Karl Hubbuch 1891-1979, Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1981, Abb. S. 238.

Ausstellung:
Realismus der Zwanziger Jahre, Galerie Michael Hasenclever, München April 1973, Kat.-Nr. 31, mit Abb.

Provenienz:
Galerie Hasenclever, München;
dort 1973 erworben, Privatsammlung, Düsseldorf;
Privatsammlung, Italien;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Bis Mitte der 1920er Jahre ist Hubbuch ausschließlich als Graphiker tätig. Erst ab 1923/24 setzt er die Farbe in Aquarell und Kreiden als gestalterisches Mittel ein. Langsam findet er zur Tempera- und Öltechnik, die er zuerst in kleinformatigen Werken auf Tafeln ausprobiert. Seine Professur, die er 1928 an der Karlsruher Kunstakademie antritt, und für die er ebenfalls Malerei unterrichten muss, wirkt sich wie ein Katalysator auf seine Malerei aus. Nun beginnt er verstärkt, mit Ölfarbe zu experimentieren. Die Werke werden größer, bis er um 1930 zu großen und übergroßen Figurenbildern auf Leinwand übergeht. Hubbuch bringt auf diesen die Vorzeichnung gleich mit Farbe auf die Leinwand. Die Strichführung wird lockerer, skizzenhafter. Es geht um die Gesamterscheinung und nicht mehr um jedes graphische Detail. Jetzt bezieht er oft die ungrundierte Unterlage in das Bild mit ein. Auch in „Sich schminkende Frau“ wird die Leinwand Teil der Darstellung, scheint durch die Haarsträhnen durch oder bildet den Scheitel. Er malt nun hauptsächlich Modellgruppen oder Einzelfiguren, so wie das Akademiemodell Lona, mit der er auch bei dem vorliegenden Gemälde arbeitet. Dabei konzentriert sich Hubbuch auf die Haltung und auf den spontanen Ausdruck oder typische Gebärden seiner Figuren. Oft verstärkt er die Posen, indem er sie mehrmals in seinen für ihn so charakteristischen Verdoppelungen wiedergibt. Es entstehen Werke wie „Drillinge“, oder „Vier mal Hilde“. Auch in unserer Arbeit verdoppelt der Künstler das Modell, hier mit Hilfe eines Spiegels. Damit steigert er nicht nur die spontane Bewegung, sondern schafft gleichzeitig eine allgemein gültige, charakteristische Geste, die ein Ritual bei der Toilette der Frau bildet: hier der Auftrag des Lippenrots.