Bernar Venet

„Scaling considerations for magnetospheric model experiments“.

Details

Ausstellung:
„Bernar Venet. Meta-Mathematik, Fotos, Schrift“. Museum Haus Lange, Krefeld 1970, Kat. Nr.2.

Provenienz:
Galerie Bischofberger, Zürich;
Sammlung Gunter Sachs.

Beschreibung

Paul Wember hat Bernar Venet 1970 ins Museum Haus Lange in Krefeld eingeladen. Wie für Yves Klein oder die Gruppe ZERO war es auch für Venet, der heute zu den wichtigsten Bildhauern unserer Zeit zählt, die erste große institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Venet stellte große, handgeschriebene Tafeln mit mathematischen und physikalischen Berechnungen aus. Für den Künstler waren dies die damals aktuellsten und bedeutendsten naturwissenschaftlichen Entdeckungen. Dabei ging es ihm nicht um eine visuelle Umsetzung im Sinne einer Illustration, sondern er wählte seine Bildgegenstände nach dem Grad ihrer Wichtigkeit in den entsprechenden Forschungsfeldern aus. Bernar Venet überführte diese Themen in einen künstlerischen Zusammenhang, für ihn bedeuteten sie objektive Sujets, die alles Subjektive negieren. Fragen der bildenden Kunst nach Farben und Formen erachtete Venet als längst geklärt. Zukunftsfähige Lösungen lagen seiner Ansicht nach jenseits der Ästhetik. In „Scaling considerations for magnetospheric model experiments“ stellt Venet eine astrophysikalische Abhandlung des Schweden Lars B. Block dar. Die Tafel ist von beeindruckender Größe, fein gereiht, Zeile für Zeile auf Millimeterpapier, schreibt der Künstler die Entwicklung der Theorie nieder. Das Werk hat nichts Gestisches, nichts Individuelles und dennoch besitzt diese Niederschrift mit ihren gleichmäßigen und ruhig fließenden Buchstaben und Zahlen eine hohe ästhetische Qualität. Intendiert war diese vom Künstler nicht, die aus den Formeln resultierende Anmut hat sich ohne seinen Willen eingestellt. Am Ende der Schaffensphase, in der er sich mathematischen und und physikalischen Fragen widmete, erkannte Venet die Linie als sein zentrales künstlerisches Anliegen. Zeit, Linie und Raum sind bis heute maßgeblich für sein bildhauerisches Werk. – Von guter Erhaltung.