Johann Friedrich August Tischbein

Wilhelmine Rummel mit ihrer Tochter.

Details

Stoll S. 197; Franke 366.
Literatur:
Albrecht Kurzwelly, „Das Bildnis in Leipzig“, Leipzig 1912, S. 30, Abb. Tafel 72;
Max Osborn, „Tischbein“, in: Velhagen & Klasings Monatshefte, Oktober 1913, Jg. XXVIII, Bd. I, Heft 2, Abb. nach S. 208;
Adolf Stoll, „Der Maler Johann Friedrich August Tischbein“, Stuttgart 1923, S. 197;
Weltkunst, 1962, Nr. 9, S. 20 und Nr. 12, S. 21;
Ruth Pinnau, „Ein Porträtist des ‚empfindsamen Klassizismus'“, in: Kunst & Antiquitäten, 1983, Heft VI, S. 51 mit farb. Abbildung;
Martin Franke, „Johann Friedrich August Tischbein – Leben und Werk“, Egelsbach 1993, S.132/133 und Nr. 366.
Provenienz:
Dr. Gustav und Wilhelm Crayen, Berlin;
UFA, Berlin (als Leihgabe nach 1945 an die Düsseldorfer Kunstsammlungen);
Kunsthaus Lempertz, Köln, Auktion 468, 17.-19.5.1962;
Privatsammlung, Norddeutschland.

Beschreibung

Im Jahr 1800 traf Tischbein in Leipzig ein. Hier fand er, der gefeierte Porträtist und frisch bestellte Akademiedirektor, ein überwiegend bürgerliches Publikum vor, dessen wirtschaftliche Kraft mit einem neuen Selbstbewusstsein und Repräsentationsbedürfnis einherging. Zu diesem Kreis gebildeter, in ihrem Selbstbild durch die Zeitströmung der Empfindsamkeit geprägter Bürger gehörte Wilhelmine Rummel, geborene Hansen (1772-1841), die hier mit ihrer siebenjährigen Tochter Wilhelmina Caroline vor einem parkartigen Hintergrund dargestellt ist. Mit ausgebreiteten Armen steht die Mutter vor dem Betrachter, die eine Hand deutet auf die Stufen einer Treppe, die andere liegt schützend über der herbeieilenden Tochter. Ihr weist sie den Weg ins Haus und steht so als Mittlerin zwischen der Freiheit des Gartens, in dem die Kleine eben noch Blumen gepflückt hat, und der Abgeschlossenheit des Gebäudes. Allein schon durch die Verbundenheit zwischen den beiden Protagonisten strahlt das Doppelbildnis eine Stimmung von Innigkeit und feinem Empfinden aus. Gesteigert wird dies durch Details wie die schweren Lider und den träumerischen Ausdruck der Mutter, der im Kontrast zum direkten Blick steht, mit dem das Mädchen den Betrachter aufmerksam fixiert. Der schlanken, anmutig geneigten Silhouette der jungen Frau verleiht Tischbein durch den schwingenden roten Schal zusätzliche Eleganz, ein Attribut, das er in diesen Jahren wiederholt verwendet. Kunstvoll geschlungene Tücher bildeten ein beliebtes Accessoire in der Mode des Empire. Hier trägt der Schal, der wie durch einen Windstoß bewegt ist, zur Leichtigkeit der Komposition bei und unterstreicht die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.