Details

Verso mit einer handschriftlichen Echtheitsbestätigung durch Otto Spitzweg, den Neffen des Künstlers, vom 21.6.1921.
Roennefarth 440; Wichmann 1474.
Literatur:
Siegfried Wichmann, „Carl Spitzweg. Die Wanderwege, I. Das Motiv der Felsenschlucht im Werk von Carl Spitzweg“, Sindelfingen 1976, S. 35, Nr. 61.
Provenienz:
Privatbesitz, Augsburg;
Neumeister, München, Auktion 302, 2.12.1998, Los 787;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

In den 1850er Jahren unternimmt Spitzweg ausgedehnte Wanderungen in den bayerischen Alpen; dabei entstehen im Gebiet des Wendelsteins Skizzen zum Thema der Heuernte. Mehrfach greift er das Motiv in den folgenden Jahren in Gemälden auf, dabei ist unser Bild laut Wichmann das späteste. Hier lässt sich sehr gut beobachten, wie sich Spitzwegs Auffassung von Farbe und Licht zunehmend von der tonigen Malerei seiner Anfänge löst. Schon Adalbert Stifter bemerkt 1857 in seiner Rezension einer früheren Fasssung im Kunstverein Linz: „Nur hat uns überrascht, wie er, von dem wir bisher meistens gebrochene Farben gesehen haben, mit dem frischesten Gefühl den reizenden Sonnenduft im Gebirge zu geben wusste“ (Zitiert nach Wichmann Nr. 1475). Diese Frische erlebt in dem vorliegenden Gemälde eine besonders reizvolle Ausprägung.
Steil fällt die Sonne in ein von hohen Felswänden umgebenes Tal. Sie wird vom Wasser des Brunnens und den glatten, großblättrigen Pflanzen im Vordergrund reflektiert, lässt das Grün der Wiese leuchten und erhellt das Relief der krustigen, teilweise überwachsenen rechten Gesteinswand. Dort, wo das Tal sich verengt, legt der Künstler zarte graue Lasuren übereinander und fängt so die kühle Verschattung dieser Partie ein. Jede Raumzone ist belebt: der Vordergrund durch den Wasserstrahl, der sich in das steinerne Becken ergießt, der Mittelgrund durch die Bewegung der drei Schnitterinnen, das Talende durch einen zarten Wasserfall und der Himmel durch den kreisenden Raubvogel. Koloristisch zeigt sich Spitzweg auf der Höhe seines Könnens. Er hebt er die Intensität des frischen Grüns durch das Rot der Röcke der Mägde hervor und schafft eine Achse intensiver blauer Akzente, die das Auge des Betrachters vom Wasser in Brunnen und Pfütze über die Schürzen bis zum leuchtenden Dreick des Himmels in die Tiefe und in die Höhe führt. Fern von der biedermeierlichen Idylle seiner Genrebilder zeigt sich in dieser Komposition die intensive Naturverbundenheit des Malers.