Details

Firmenich 161 (die dort angegebenen Maße von 100 : 80 cm entsprechen den Rahmenmaßen).
Literatur:
Hans Eckstein, „Kunstausstellung München“, in: „Kunst und Künstler“, 1930/31, Abb. S. 209;
Armin Zweite, „Das Volk ist nicht tümlich“, in: Ausst. Kat. „Josef Scharl“, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Dezember 1982 bis Januar 1983, S. 38 und 39, Abb. 60.
Provenienz:
Privatsammlung, Süddeutschland (seit Jahrzehnten in Familienbesitz, wohl direkt beim Künstler erworben).

Beschreibung

Ganz nahe rückt Scharl an den alten Mann heran, der hier sein Brot im Freien verzehrt. Er sitzt auf einer niedrigen Mauer, aus der eiserne Streben herausragen, die den Zugang zu dem parkähnlichen Garten dahinter verwehren. Ohne Pathos konfrontiert der Künstler in dieser wohl in Paris entstandenen Komposition zwei soziale Bereiche. Der Mann ist vom Leben der Reichen, vom Flanieren im Park ausgeschlossen, doch auch in seinem engen Bildraum bewahrt er seine Würde; er hungert nicht und ist warm gekleidet. Zusätzliche Monumentalität verleiht ihm Scharl durch die schwarze Form, vielleicht eine marmorne Stele, die genau im Bereich seines Kopfes hinter ihm sichtbar ist und einen wirkungsvollen Kontrast zu seinen weißen Haaren bildet.
Mit ihrer formalen Stringenz gehört diese Komposition zu den schönsten Werken des Künstlers: Der ovale Umriss des Sitzenden findet seine Entsprechung in der Form des Gartenwegs, die vertikale Abfolge der Streben wiederholt sich in den Baumstämmen. In diesem strengen Bildgerüst entfalten die lebhaften Pinselstriche vor allem im Inkarnat des Mannes ihre besondere und für Scharl charakteristische plastische Vitalität.