Details

Wohlert 308.
Ausstellung:
Sommer-Ausstellung, Künstler-Vereinigung Dresden Juni 1918, S. 14, Kat.-Nr. 88;
„Carl Hofer, Martha Wolf“, Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt/Main September 1918, Kat.-Nr. 19 (Tropische Szene (klein) (?));
„Germany in Ferment Festival“, Wanderausstellung, Museums & Arts Centre, Durham/Graves Art Gallery, Sheffield/Museum and Art Gallery, Leicester 1970.
Provenienz:
Laut Etiketten auf dem Keilrahmen Galerie Nierendorf, New York, und Marlborough Gallery, New York;
Sammlung, W. Mayer, Mannheim;
Hauswedell & Nolte, Auktion 193, Hamburg 14.-16.6.1973, Los 694, mit ganzs. s/w Abb.;
Hauswedell & Nolte, Auktion 227, Hamburg 1.-3.6.1978, Los 475, mit ganzs. farb. Abb.;
Privatbesitz, Hamburg.

Beschreibung

Dank der Vermittlung durch seinen Mäzen Dr. Theodor Reinhart hielt Hofer sich von Oktober 1910 bis Mai 1911 und von Dezember 1911 bis April 1912 an der Malarbarküste in Südwestindien auf. Hier findet er eine üppige, feuchte Landschaft mit Tropenwäldern vor, bevölkert von Menschen, die ihm von der industriellen Zivilisation noch unberührt und unschuldig erscheinen. Täglich malt er junge Modelle, „prachtvolle Buben“, wie er im Dezember 1910 an seine Frau schreibt. Dabei arbeitet er im Freien und kann so „die Modelle in der Sonne haben“. In Indien selbst entstanden nur Zeichnungen und Aquarelle, aber in der Zeit zwischen diesen Aufenthalten und unmittelbar danach entstand eine ganze Reihe von Gemälden mit schlanken Gestalten mit Turbanen, die Hofer vor die Kulisse einer fruchtbaren, unberührten Vegetation setzte. Fünf Jahre später nahm er dieses Thema in dem vorliegenden Werk wieder auf. Der überschlanke Typus der Figuren wird hier immer noch eingehalten. Doch werden die Umrisse nun schärfer, genauer erfasst; der Pinselstrich wird ruhiger, einheitlicher. Die Farbgebung aber wirkt hier besonders expressiv. Vor einem undefinierten, dunklen Hintergrund wölben sich die hellgrünen, großen Blätter tropischer Palmen. Auf einem rötlichen Boden stehen drei Jünglinge, in klassischer Manier von „Drei Grazien“-Darstellungen von hinten, frontal und von der Seite gesehen. Hofer rotiert so die Ansicht der Körper und erzielt eine Dynamik der Bewegung, die durch die instabile Körperhaltung der Figuren noch verstärkt wird. Diese Dynamik setzt sich auch in farblichen Akzenten fort, die das Auge von Detail zu Detail springen lassen. So malt Hofer den Turban des Jungen links in einem tiefen Rot, den Dhoti des Mannes in der Mitte in Hellblau, und die Frucht, die der Jüngling rechts im Bild in seinen Armen hält, in einem satten Orange. Die gesamte Szene taucht er in ein helles, neutrales Licht, Schatten sind keine zu erkennen. So entsteht ein von Leben vibrierendes, ausdrucksstarkes und einheitliches Gefüge von Mensch und Natur. – Doubliert.