Beschreibung

Ab der Mitte der 1880er Jahre gewann die menschliche Figur im Werk Degas‘ zunehmend an Bedeutung. Besonders in den Arbeiten, die Frauen beim Baden zeigen, konnte er den weiblichen Körper auf natürliche und intime Weise darstellen. Dabei bindet ein tiefer Blickwinkel den Betrachter direkt in die Szene ein. Degas setzte sich leidenschaftlich mit alltäglichen Gebärden auseinander. Er benutzte für diese Studien selten Modelle, da die unbewusste Spontaneität der Bewegung durch die vorsätzliche Beobachtung verloren gegangen wäre. Stattdessen zeichnete Degas aus der Erinnerung heraus und wiederholte eine Geste dabei immer wieder, um so eine perfekte Stilisierung der Bewegung zu erreichen. Dementsprechend findet sich auch im Katalog der 4. Auktion seines Nachlasses am 2.-4. Juli 1919 eine weitere Studie, die nur die seitlich gebeugte Figur der sich trocknenden Frau wiedergibt, ohne jedoch die kaskadenhaften Haare zu zeigen (Nr. 158). Eine andere Zeichnung zeigt die gleiche Anordnung der Figuren, jedoch gespiegelt (Nr. 356), und bleibt besonders im Faltenwurf und in der Modellierung des nackten Körpers weniger ausgeführt. In unserer Zeichnung ist die klare, harte Umrisslinie, durch die sich Degas von anderen impressionistischen Künstlern absetzte, besonders deutlich und lässt die Arbeit trotz zarter Wischtechnik auch von der Ferne wirken.
Die Authentizität des Werkes wurde von Brame & Lorenceau am 26.4.2011 schriftlich bestätigt. Das Werk wird in das Archiv des Künstlers aufgenommen. – Das etwas unregelmäßg beschnittene Blatt leicht lichtrandig. Wenige Randmängel. Allgemein sehr schön.

Provenienz:
Atelier Edgar Degas, 3. Auktion, Galerie Georges Petit, Paris, 7.-9.4.1919, Nr. 177, mit Abb.;
dort von Stettiner gekauft;
Privatbesitz Süddeutschland, 1937 während der Weltausstellung in einer Pariser Galerie erworben;
durch Erbfolge an den aktuellen Besitzer.