Willi Baumeister

„Blau mit rotem Quadrat (kleines Format)“ (Figuren in Landschaft)

Details

Grohmann 1012; Beye/Baumeister 1482.

Literatur:
Franz Roh zum 100. Geburtstag. Kritiker, Historiker, Künstler, Staatsgalerie Moderne Kunst, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, 1990, s/w Abb. S. 49 (Wohnzimmeransicht mit Baumeister-Gemälde an der Wand); Marion Grčić-Ziersch Kunsthandel, München, Katalog März 1996, S. 24, mit farb. Abb. S. 25.

Ausstellung:
Hommage à Franz Roh, Kunstverein München, 1966, mit Kat.-Abb. (o. S.).

Provenienz:
Sammlung Dr. Franz Roh und Dr. Juliane Roh, München;
Kunsthandel Marion Grčić-Ziersch, München, verso auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett, aus dem Nachlass Roh erworben.

Beschreibung

• Heitere und farbenfrohe Komposition aus dem Umfeld der „metaphysichen Landschaften“
• Fantasiereiche Formenvariationen inklusive der für Baumeister so charakteristischen Kammzüge
• Aus der renommierten Münchner Sammlung Franz und Juliane Roh

„Zunächst fällt bei Baumeisters ‚Figuren in Landschaft‘ die freie Behandlung der Formen auf. Wie selbstverständlich durchbrechen, überlagern, schneiden sie sich. Auch die Verbindung mit tieferliegenden Malschichten wirkt harmonisch und ungezwungen. Das wird besonders deutlich bei den quadratischen und rechteckigen Feldern, deren Konturen in regem Austausch mit dem graublauen Grund stehen. Im unteren Teil des Bildes modelliert Baumeister eine weißlich braune Schicht. Sie erinnert an einen Sandstrand, an eine Situation in der Nähe des Meeres. Auf dieser Erdzone sitzen einige der Figuren und Formen auf. Dennoch wirken sie locker, fast schwebend. Kaum glaubt man eine menschliche Form gefunden zu haben, löst sie sich wieder durch andere Elemente im Bild auf. In traumwandlerischer Sicherheit hält Baumeister seine Erfindungen am Rande des figürlich Deutbaren ohne sie aber auszuformulieren und eindeutig benennbar zu machen. Viel Humor, Witz und man könnte sagen Entdeckerfreude spricht aus den Formen. Aus Arbeiten, wie dieser, wird deutlich, daß sich Baumeister die Freude an den eigenen Schöpfungen und das Staunen vor der eigenen Kreativität bewahrt hat.“ (Florian Sundheimer, in: Galerie-Katalog Marion Grčić-Ziersch, März 1996, S. 24).
Das Gemälde stammt aus der Sammlung des Kunsthistorikerpaares Dr. Franz Roh (1890-1965) und seiner Frau Dr. Juliane Roh, geb. Bartsch (1909-1987). Franz Roh pflegte enge Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern, darunter auch zu Willi Baumeister. 1952 gründete er in München die erste Artothek in Deutschland, die Vorbild für viele weitere Kunstverleihstellen wird und hochwertigen Kunstgenuss für alle ermöglicht. Juliane Roh leitete bis zu ihrer Entlassung durch die Nationalsozialisten 1937 den Mannheimer Kunstverein und organisierte dort Ausstellungen unter anderem mit Werken von August Macke, Max Kaus und Christian Rohlfs. Nach dem Krieg war sie überwiegend als Kunstschriftstellerin tätig.