Details

Mit einem schriftlichen Gutachten von Professor Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin.

Literatur:
Vgl. Ariane James-Sarazin: Hyacinthe Rigaud. 1659-1743. Catalogue raisonné, S. 51, Kat.-Nr. P.129.

Provenienz:
Privatbesitz, Norddeutschland.

Beschreibung

Everhard Jabach entstammte einer seit dem 15. Jahrhundert in Köln ansässigen Kaufmannsfamilie. 1638 ließ er sich in Paris nieder und stieg dort als Bankier, Besitzer einer Büffelfell-Gerberei und unersättlicher Kunstsammler zu einer einflussreichen Persönlichkeit auf. Er unterhielt als Mäzen lebhaften Umgang mit den führenden Künstlern seiner Epoche, wurde von Anthonis van Dyck dreimal, von Peter Lely wohl zweimal, von Charles Lebrun im Kreis seiner Familie und vom Hofmaler Rigaud mehrfach porträtiert. Auf vorliegendem Brustbild ist Jabach im Dreiviertelprofil nach links blickend wiedergegeben, eine mit schwarzer Spitze gesäumte Hauskappe aus schwarzem Taft auf dem Kopf. Unter dem ebenfalls schwarzen Mantel trägt er eine aufgeknöpfte, goldbestickte Weste, darunter ein faltenwerfendes weißes Hemd.
Nach der Hinrichtung König Karls I. im Jahre 1649 ersteigerte Jabach in London im Rahmen des ‚Commonwealth Sale‘ hunderte wertvoller Gemälde und mehr als 6000 Zeichnungen, 1655 schließlich einen Teil der ehemaligen Sammlung Arundel. Durch seine Hände gingen die wichtigsten Meisterwerke der Renaissance und des Barock. Sein besonderes Augenmerk galt jedoch der Zeichnung als Sammlungsobjekt, ein Novum innerhalb der damaligen Kunstszene. 1670 musste er, von finanziellen Gründen getrieben, große Teile seiner Sammlung an den Kardinal Jules Mazarin, danach den verbliebenen Rest für 330.000 Livres an König Ludwig XIV. verkaufen, der sie in sein ‚Cabinet du roi‘ aufnahm und an den Louvre weitergab. Jabach erwarb jedoch davon unbeeindruckt weiterhin mit großen Eifer Kunstwerke und brachte es bald wieder zu einer beträchtlichen Sammlung.