Details

Provenienz:
Karl & Faber, Auktion 142, 28./29.11.1975, Los 572; Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Jean-François Raffaëlli war bereits zu Lebzeiten ein geschätzter Maler und seine Werke sind bis heute auf dem Kunstmarkt begehrt. Raffaëlli, der zunächst mit einer Karriere als Sänger und Schauspieler geliebäugelt hatte, begann erst im Alter von 20 Jahren zu malen. 1870 mit einem Werk auf dem Salon vertreten, wurden vor allem Schriftsteller wie Émile Zola auf ihn aufmerksam, der ihn bewunderte und förderte. Erst nach diesem Erfolg, 1871, besuchte Raffaëlli für drei Monate die Malklasse von Jean-Léon Gérôme, doch nachhaltigen Einfluss erfuhr er von den Impressionisten, besonders von Claude Monet, dem er auch Anregungen für sein eigenartiges System von Pinseltupfen verdankt, das Ludwig Hevesi einmal als „Fliegenfüße und Kleckschen“ bezeichnet hat. Sie sind charakteristisch für seine lebendigen, heiteren Ansichten aus den Vorstädten von Paris, die seinen Ruf als Schilderer des vibrierenden Großstadtlebens begründeten.
Diesen seit den 1890er Jahren entstandenen luftigen, farbenfrohen Blicken auf das Treiben in der Großstadt gingen ernstere Schilderungen voraus, die in ihrer Eindringlichkeit aber nicht zurückstehen. Auf dem wohl um 1880 entstandenem Gemälde „Printemps de Paris“ beobachtet Raffaëlli den Kommunionszug von sieben kleinen Mädchen, deren weiße Kleider sich von der sandigen, fast monochromen Farbigkeit des übrigen Gemäldes abheben. Das Gemälde wird von verschiedenen Bewegungsimpulsen bestimmt – da sind zunächst die nach links ziehenden Mädchen, die von anderen Passanten hinterfangen werden, die z. T. in die entgegengesetzte Richtung gehen. Die so entstehende friesartige Anordnung der Figuren wird abgeschwächt durch die vertikal aufstrebenden Bäume und die abschließenden Häuserfassaden, die dem Gemälde tektonischen Halt geben. Raffaëlli schafft eine wohl durchdachte Komposition von großer Ernsthaftigkeit, in der die gegenläufigen Richtungsimpulse zum Ausgleich geführt werden. Die Strenge der Komposition findet ihre Entsprechung in den dargestellten Charakteren: Raffaëlli schildert kein heiteres Flanieren, er gestattet seinen Protagonisten kein Verweilen; sie sind auf dem Weg, auf ihrem Lebensweg in einer sich verändernden Stadt.

Wir danken Brame & Lorenceau, Paris, für die Bestätigung der Authentizität des Gemäldes. Brame & Lorenceau wird das Gemälde in das in Vorbereitung befindliche digitale Werkverzeichnis der Gemälde Raffaëllis aufnehmen.