Details

Mit einer Fotoexpertise von Professor Dr. Manfred Reuther, Klockries vom 18.5.2023. Das Werk ist im Archiv von Professor Manfred Reuther unter der Nummer Nolde A-276/2023 registriert und dokumentiert.

Literatur:
Sabarsky, Serge, Zeichnungen und Aquarelle des deutschen Expressionismus, Stuttgart 1990, mit farb. Abb.

Ausstellung:
Emil Nolde: Aquarelle aus den Jahren 1894-1956, Frankfurter Kunstverein, 1967, Kat.-Nr. 43;
Emil Nolde works from American Collections, Palmer Museum of Art/Pennsylvania State University, University Park 1988, Kat.-Nr. 28, S. 15, 31, mit farb. Abb. S. 31;
Zeichnungen und Aquarelle des deutschen Expressionismus, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen u.a., 1990/91;
Emil Nolde: Aquarelle und Graphik, Mezinárodní kulturní centrum Egona Schieleho, Ceský Krumlov u.a., 1994-96, S. 44-45;
Emil Nolde: Aquarelle und Graphik, Städtische Galerie Jesuitenkirche, Aschaffenburg u.a., 1998, S. 30/31, mit farb. Abb.
Emil Nolde. Weltsicht, Farbe, Phantasie, Stadthalle, Balingen 2008, mit farb. Abb. S. 113.

Provenienz:
Galleria Henze, Campione d’Italia, Mai 1987;
Sammlung Serge Sabarsky (1912-1996), New York, bei Vorgenannter erworben;
Nachlass Serge Sabarsky, New York, seit 1996;
Sammlung Vally Sabarsky (1902-2002), New York;
Vally Sabarsky Stiftung, New York, seit 2002.

Description

• Nolde wiederholt das Motiv einer Dame mit Hut aus seinem Ölgemälde “Teetisch” von 1911 (Urban 410)
• Das Aquarell ist auch in enger Verbindung zu dem Gemälde “Frauenprofil” von 1911 zu sehen, das 1937 beschlagnahmt wurde und seitdem verschollen ist (Urban 433)
• Großformatige Darstellung, flüchtig mit wenigen Aquarellfarben spontan erfasst

Seit Ende 1904 verbringt Nolde die Winter mit seiner Frau Ada überwiegend in Berlin, wo sie lange Jahre ein Wohnatelier in der Tauentzienstraße 8 gemietet haben.
Es entstehen zahlreiche Arbeiten mit Motiven aus dem Berliner Caféhaus- und Nachtleben.

Nolde schreibt über sein Leben in Berlin: “Allabendlich um elf zog ich meine dunkle Hose an und auch den schwarzen St. Galler Frack (…). Meine Ada ebenfalls zog ihr bestes Kleid an, und wir gingen auf Maskenbälle, in die Kabaretts, in den Eispalast. Und dann gings in öffentliche Lokale, wo fahl wie Puder und Leichengeruch impotente Asphaltlöwen und hektische Halbweltdamen in ihren eleganten verwegenen Roben saßen, getragen wie von Königinnen. Und weiter ging es hinein in den Zigarettendunst der Cafés der Morgenstunden, wo Neulinge aus der Provinz, harmlos mit Straßendirnen sitzend, im Sektrausch halb hinschliefen.
Ich zeichnete und zeichnete, das Licht der Säle, den Oberflächenflitter, die Menschen alle, ob schlecht oder recht, ob Halbwelt oder ganz verdorben, ich zeichnete diese Kehrseite des Lebens mit seiner Schminke, mit seinem glitschigen Schmutz und dem Verderb. Viel Augenreiz war allenthalben. Diese Menschen waren mir nicht wichtig, sie kamen, tanzten, saßen da und gingen wieder, was ich auf meinem Papier zuwege brachte, das nur schien mir wesentlich. Schwül war es manchmal in dieser Tiefe zwischen all den leichtsinnig glücklichen und unglücklichen Menschen. Ich zeichnete und zeichnete.” (Emil Nolde, Jahre der Kämpfe. 1902-1914, Köln 1967, S. 147 f.).

In unserer großformatigen Arbeit, flüchtig mit wenigen Aquarellfarben spontan erfasst, zeigt ein zierliches Frauenbildnis in markantem Profil nach links mit einem grandiosen Federhut auf dem kleinen, fast zerbrechlichen Kopf. Das schmale, blasse Gesicht mit spitzer, gelber Nase, einem ebenso spitzen Kinn, sowie einem schmallippigen, leicht geöffneten Mund, rötlich angedeutet wie ein Einschnitt, wird von einer gelben Konturlinie umrissen. Aus der weitgehend leeren, etwas bleichen Gesichtshälfte schaut etwas verloren oberhalb der Wange, doch hellwach ein einzelnes kleines, blaues Augenrund. Der große, weitkrempige Federhut in dunklem Blau bestimmt seinen Anspruch im Bildgefüge.
In der Sammlung der Nolde Stiftung Seebüll befindet sich aus Noldes Nachlass ein vergleichbares, eng verwandtes, Aquarell (Seebüll, Inv.-Nr.: A.PoF.47) mit dem Bildnis einer
Frau, allerdings im scharfen Profil nach rechts. Sie trägt ebenso einen üppigen Federhut, der im vorderen Bereich dieselbe spitz ausgerichtete Hutkrempe aufweist.

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