Joannis Avramidis

Head with distant planes I

Details

Provenienz:
Galerie Raimund Thomas, München;
Privatsammlung, Liechtenstein, 1999 bei Vorgenannter erworben.

Description

Der griechisch–österreichische Bildhauer Joannis Avramidis gehört zu den Bildhauern des 20. Jahrhunderts, deren zentrales Motiv zeitlebens der Mensch gewesen ist – auch in den Arbeiten, die weitgehend abstrakt wirken.
Ausgehend von einer intensiven Auseinandersetzung mit der griechischen Antike und der Proportionslehre der Renaissance gilt seine wesentliche Beschäftigung der Suche nach einer allgemeingültigen Darstellung der menschlichen Figur.
Hervorzuheben sind insbesondere zwei wichtige Werkgruppen: Die blockartigen Figurengruppen sowie die Kopfplastiken, zu denen auch die vorliegende, 1969 entworfene Arbeit gehört: Zwei aufeinandergesteckte Körper, einfach, kantig und massiv auf eine dünne, bronzene Sockelplatte montiert.
Auf der Suche nach der absoluten Figur reduziert Joannis Avramidis organische Formen nach selbst auferlegten Konstruktionsprinzipien radikal. In “Kopf mit tiefenräumlichen Flächen I” fügt er verschiedene Flächen zu prismatischen Blöcken zusammen, die an archaisch wirkende Urformen erinnern, zeitlos und streng: “Ich habe das Wunschbild, daß meine Arbeit so wenig wie möglich zeitabhängig ist. Meine Idealvorstellung ist, daß ich meine Arbeit auch in einer anderen Zeit hätte machen können, etwa in der Frührenaissance oder in der antiken Archaik.”
Joannis Avramidis wird 1922 als Sohn griechischer Eltern in Batumi im heutigen Georgien am Schwarzen Meer geboren. Nachdem sein Vater vom stalinistischen Terrorregime inhaftiert und hingerichtet wird, sieht sich die Familie gezwungen, 1939 nach Griechenland zu emigrieren. 1943 kommt Avramidis als Zwangsarbeiter nach Wien. Hier nimmt er nach Kriegsende sein bereits in Batumi begonnenes Kunststudium wieder auf: Zunächst studiert er Malerei, von 1953 bis 1956 Bildhauerei bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste. Bereits 1962 vertritt Joannis Avramidis Österreich auf der Biennale in Venedig und ist auch mehrfach auf der documenta in Kassel vertreten. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1992 hat er eine Professur für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien inne.
Die Demokratie sowie die Versammlungsorte der Polis sind für Joannis Avramidis immer zentrale gesellschaftliche Bezugspunkte seines Werkes gewesen – es überrascht daher nicht, dass eine nahezu identische Plastik in einem der südlichen Außenhöfe des Paul-Löbe-Hauses in Berlin aufgestellt wurde.