Pierre-Auguste Renoir

Paysage avec femme assise au milieu

Details

Dauberville V, 3872; André II, 646.
Mit einer Fotoexpertise des Wildenstein Institute, Paris, vom 7.9.2001 (in Kopie).

Provenienz:
Nachlass Auguste Renoir;
Jean Renoir, Paris, verso auf dem Keilrahmen mit “L2” bezeichnet;
Galerie Barbazanges, Paris, verso auf dem Keilrahmen mit “2682” nummeriert;
Sammlung Paul Guillaume, Paris, verso auf dem Keilrahmen mit Etikett;
Galerie Bernheim-Jeune, Paris, verso auf dem Keilrahmen mit “PH” bezeichnet;
Galerie Salis & Vertes, Salzburg;
Privatsammlung, Süddeutschland.

Description

Zwar sah sich Renoir in erster Linie als Figurenmaler, allerdings stellt die Landschaft seit Beginn seiner Karriere ein wichtiges Element innerhalb seines Œuvres dar. Den Impressionisten war es ein Anliegen, die flüchtigen Momente der Natur wie einen Windstoß oder den Fall der Sonne durch die Blätter zu verewigen. Dieses Naturschauspiel konnten die Künstler am besten in der Natur selbst festhalten; Renoir malte seine Modelle daher mit Vorliebe in der freien Natur.

Im vorliegenden Gemälde, das er im vorletzten Lebensjahr anfertigte, verband Renoir seine Liebe für die Natur und die Menschen auf wunderbare Art und Weise, indem er sein Modell auf einer saftigen Wiese festhält, die im Hintergrund mit angedeuteten Bäumen begrenzt wird. Sein Malstil nimmt die impressionistische Flüchtigkeit der Natur auf und hat zum Ziel, den Moment in der Natur auf der Leinwand festzuhalten. Auf dem vorliegenden Gemälde begegnet uns Madeleine Bruno, die Renoir 1905 kennenlernte und die alsbald sein Modell wurde. Da Madeleine zu diesem Zeitpunkt erst sieben Jahre alt war, ließ der Maler bei deren Mutter anfragen, ob er die Tochter malen dürfte. Die ersten Bilder dieser Beziehung entstanden im gleichen Jahr und wurden in der Landschaft gemalt. Nach einer Pause von ca. fünf Jahren setzten der Maler und Madeleine ihre Zusammenarbeit 1910 fort und das junge Mädchen avancierte in den folgenden Jahren zu einem der Hauptmodelle von Renoir. Ihre Verbindung blieb auch nach der Heirat von Madeleine Bruno mit Monsieur Morandi bestehen und intensivierte sich nach dem Tod von Aline, Renoirs Frau, 1915. Renoir litt bereits stark an den Folgen einer rheumatischen Arthrose. Madeleine Bruno unterstützte ihn beim Vorbereiten der Malutensilien und leistete ihm in seinen letzten Jahren Beistand.

Die Rückseite des Gemäldes ist mit diversen Aufklebern und Markierungen außergewöhnlich gut erhalten und liefert einen detaillierten Einblick in die Provenienz und Biographie des Bildes. Das Gemälde war zum Zeitpunkt von Renoirs Tod in dessen Atelier. Alle Bilder, die sich dort befanden, wurden unter seinen Söhnen aufgeteilt. Im vorliegenden Fall war Jean Renoir der Begünstigte. Dies geht aus der Markierung “L2” auf dem Keilrahmen hervor. Zwischen 1922 und 1927 wurden alle Gemälde aus dem Atelier, die seine Söhne erhalten haben, über die Pariser Galerie Barbazanges verkauft, worauf die rote Nummer “2682” auf dem Keilrahmen verweist. Danach war das Bild in der Sammlung von Paul Guillaume (mit einem Etikett auf dem Keilrahmen), der zur damaligen Zeit zu einem der weltweit bedeutendsten Sammler von impressionistischen Gemälden gehörte und neben Renoir Werke von Modigliani, Matisse, Picasso, Cézanne und de Chirico in seiner Sammlung hatte. Seine Bekanntschaft mit Modigliani führte zu dem Porträt “Novo pilota”, das heute Bestandteil der Sammlung im Musée de l’Orangerie in Paris ist. Das vorliegende Bild von Renoir wurde ferner in der berühmten Pariser Galerie Bernheim-Jeune gehandelt, was die Bezeichnung “PH” auf dem Keilrahmen nachweist, ehe es über eine Galerie letzlich in eine Privatsammlung kam.