Erich Heckel

Park von Dilborn II. DOPPEL (TEST)

Details

Park in Dilborn II. Oil on canvas. 1914. C. 83 : 96 cm. Signed with the monogram and dated lower right. Signed and titled on the reverse. Framed.
In May 1914, Erich Heckel and his future wife Siddi Riha spent several weeks in the medieval moated castle of Dilborn at the Lower Rhine as guests of the couple Heinrich Nauen and Maria von Malachowsi. Nauen, the renowned Expressionist poet, was an ardent painter. He and Heckel painted portraits of each other and chose the same motifs in the large park belonging to the castle. Heckel executed several masterpieces in this environment, one of them the present work. According to Hans Geissler (estate of Erich Heckel), five other paintings are known to have been executed in Dilborn and nine watercolours and drawings directly in the park.
For Heckel, Dilborn was a welcome and soothing retreat within a restless period of his life. In the relation with his hosts he experienced the congenial atmosphere he must have missed since the break-up of the “Brücke” a year before. Shortly after he was to sign up as a Red Cross volunteer during World War I.
In our painting, Heckel regards the park from a piece of lawn bordered by a wide path. His gaze travels along some rhododendrons in full bloom towards a row of trees and beyond to the meadows in the distance of the deserted park. The vegetation is bright in the first green of spring, the white blossoms reflecting the agitated light reflexes of a sky which looks as if a thunderstorm was subsiding.
Landscapes like this without any figures became more prominent in Heckel’s work from 1913 onwards. It is no longer the merging of man and nature he aims to portray, but the tension between the observed structures of the landscape and his individual reaction, between the balance of composition and the spontaneity of expression. The growing tendency towards angular forms is probably due to his awareness of the work of Delaunay. Although the path swerves into the middle ground in an ornamental line and the outlines of bushes and flowerbeds are softly rounded, the planes in sky and foliage are broken up into cristalline particles which create a vibrating tension. They are, however, held together by the firmly structured composition with its emphasis on the horizontal and the diagonal. In this way, Heckel painted a masterpiece at a time when his creative powers were at their peak, shortly before the
outbreak of the war would change his work significantly. Paintings from this important period in such outstanding artistic quality and state of conservation are extremely rare on the auction market.
With very few minimal retouchings, otherwise in excellent condition.
Hans Geissler (The Erich Heckel estate) has kindly certified that the painting will be included in the forthcoming catalogue raisonné of Erich Heckels paintings prepared by Andreas Hünike.

Vergleichsabbildungen:

1. Erich Heckel: Park in Dilborn. Aquarell. Museum Abteiberg, Mönchengladbach. Copyright: Nachlass
Erich Heckel, Hemmenhofen.

2. Erich Heckel: Park in Dilborn. Bleistiftzeichnung. Privatbesitz. Copyright: Nachlass
Erich Heckel, Hemmenhofen.

3. Erich Heckel: Frühling in Flandern. 1916. Hagen, Karl E. Osthaus-Museum.
© Blauel/Gnamm – ARTOTHEK
© VG-Bild-Kunst Bonn

Description

Im Mai 1914 verbrachte Erich Heckel mit seiner späteren Ehefrau Siddi Riha einige Wochen auf dem niederrheinischen Wasserschloss Dilborn. Hier besuchte er das Künstlerpaar Heinrich Nauen und Marie von Malachowski, die bereits 1911 einen Flügel des Schlosses bezogen hatten und dort ein gastfreundliches Haus führten. Nauen, der bedeutende expressionistische Schriftsteller, war gleichermaßen passionierter Maler. Er und Heckel portraitierten sich gegenseitig und nahmen sich im Schlosspark, der im 19. Jahrhundert nach englischem Vorbild neu gestaltet wurde, die gleichen Motive vor. Heckel schuf hier einige seiner schönsten Werke, darunter auch das vorliegende Bild: Laut Hans Geissler (Nachlass Erich Heckel) sind neben wohl fünf weiteren Gemälden aus Dilborn neun Aquarelle und Zeichnungen aus dem Park bekannt.
Dilborn war für Heckel ein paradiesisches Refugium in einer unruhigen Zeit. Im Austausch mit den Nauens und ihren Gästen erlebt er den künstlerischen Gleichklang, den er nach der Auflösung der “Brücke” vermissen musste. Wenig später meldete er sich bei Ausbruch des Krieges freiwillig zur Ausbildung als Pfleger.
In unserem Gemälde blickt Heckel von einem Rasenstück, das von einem breiten Weg gesäumt wird, über eine Hecke mit blühendem weißen Rhododendron vorbei an drei Zypressen sowie einem Baum mit palmenartigen Zweigen in die sich in weiter Ferne verlierenden Wiesen des menschenleeren Parks. Die Vegetation zeigt das frische Grün des Frühlings, sie scheint von innen her zu leuchten. Dazu greifen die weißen Blüten von Büschen und Beeten die unruhigen Lichtreflexe des Himmels auf, die auf ein abziehendes Gewitter schließen lassen.
Solcherart von aller Staffage befreite Landschaften sind seit 1913 zunehmend in Heckels Werk zu finden. Thema ist nun nicht mehr das Eins-Sein des Menschen mit der Natur, sondern der Spannungszustand zwischen den registrierten Strukturen der Landschaft und dem eigenen Erleben, zwischen der kompositionellen Balance und der Spontaneität des Ausdrucks. Dabei wird in der Tendenz zu kristallin-spitzen Formen die Auseinandersetzung mit dem Kubismus etwa Delaunays deutlich. Zwar schwingt sich der Weg ornamental in die Bildtiefe, sind Büsche und Beete sanft gerundet, doch zeigt sich durch den konstruktiv gesetzten, fedrigen Pinselstrich im Laubwerk und im Himmel eine Zersplitterung der Flächen, die das idyllische Motiv in eine vibrierende Spannung versetzt. Gefasst und beruhigt wird diese jedoch durch die festgefügten Strukturen der Komposition mit ihrer Betonung der Horizontalen und der Diagonalen. So ist ein selbst aus der Distanz eindrucksvolles Meisterwerk entstanden, zu einem Zeitpunkt, als Heckels schöpferische Kraft auf dem Höhepunkt stand, kurz vor der auch das Werk verändernden Zäsur des Kriegs. Bilder aus dieser wichtigen Werkphase von derart musealer Qualität und in so ausgezeichneter, farbfrischer Erhaltung sind auf dem Kunstmarkt eine große Rarität.
Mit vereinzelten minimalen Retuschen, sonst in sehr schönem Originalzustand.
Wir danken Herrn Hans Geissler (Nachlass Erich Heckel) für den Hinweis, dass das Bild in den durch Andreas Hünike vorbereiteten neuen Oeuvrekatalog der Gemälde Erich Heckels aufgenommen wird.
Ausstellung: German Expressionist Sculpture and Painting from Californian Collections, Pasadena Art Museum, 16. April – 2. Juni 1974, verso mit dem Etikett.
Provenienz: Versteigerung Karl & Faber, Auktion 130, 3.12.1971, Nr. 795; Privatbesitz, USA.