Pierre-Auguste Renoir

Femme nue à sa toilette

Details

Mit einer Bestätigung von Elizabeth Gorayeb, Wildenstein Plattner Institute, New York, vom 30.10.2017. Das Werk wird vom Wildenstein Plattner Institute in das in Vorbereitung befindliche digitale Werkverzeichnis der Werke von Pierre-Auguste Renoir aufgenommen und ist im Archiv unter der WPI Nr. 17.10.18/20029 registriert.

Ausstellung:
Renoir, Kunsthalle, Basel 1942, Kat.-Nr. 117;
La Peinture française de 1800 à nos jours, Musée des Beaux-Arts, Neuchâtel 1943, (Titel: Petite baigneuse);
Bliss, Nahmad Projects, London 2016.

Provenienz:
Galerie Tanner, Zürich;
Pierre Dubied, Neuchâtel, 1947 bei Vorgenannter erworben;
Privatsammlung, USA, bis 1995;
Christie’s, New York 8.11.1995, Los 120 (Titel: Baigneuse, ou Nu au linge);
Privatsammlung, Schweiz.

Descrizione

“Die einfachsten Themen sind die Ewigen (…) Eine nackte Frau ist Venus oder Nini, ganz gleich, ob sie aus den Fluten des Meeres auftaucht oder sich von ihrem Lager erhebt. Etwas Besseres kann unsere Einbildungskraft nicht ersinnen.” (Renoir, zitiert aus André, Albert, Monographie Renoir, Paris 1919)

Pierre-Auguste Renoir – zeit seines Lebens ein gefragter Porträtmaler, vor allem der Pariser Oberschicht – begeistern in seinem Werk nicht nur die Damen der wohlhabenden Gesellschaft, sondern eher die natürlichen und einfachen Mädchen und Frauen. Schon früh fasziniert ihn der weibliche Akt in seinen natürlichen Formungen und Rundungen. Keine Schönungen sind zu erkennen. Vielmehr setzt Renoir seine Modelle in ihrer ganzen Natürlichkeit auf die Leinwand. Ihre Sinnlichkeit und auch jugendliche Frische verzaubern ihn bis ins hohe Alter.

In seinen letzten Jahren widmet sich Renoir um 1895 vorwiegend der Aktmalerei und setzt hier die körperliche Präsenz seiner Modelle immer mehr in den Vordergrund.
“Femme nue à sa toilette” ist ein schönes Beispiel für Renoirs reifen Stil und steht für seine Fähigkeit, die weibliche Form mit fließenden, lockeren Pinselstrichen zu erfassen. Mit seiner ganz eigenen Maltechnik lässt er eine schimmernde Farboberfläche entstehen, die seinen späten Akten eine besondere Qualität verleiht. Mit seiner breiten Palette erreicht er schöne malerische Effekte. Renoir setzt dabei feine Schichten verschiedener Farbtöne übereinander und schafft damit eine abwechslungsreiche, fast vibrierende Oberfläche. Meist über eine weiße Grundierung baut er seine Akte auf und erreicht in Kombination mit der ausgewogenen Farbpalette eine feine Zartheit.

Unser Dreiviertelakt sitzt mit leicht angewinkelten Beinen auf üppig drapierten Tüchern bei der Körperpflege in einem nicht zu definierenden Raum. Die junge Frau ist von der Seite eingefangen, hält in ihrer rechten Hand ein Tuch in ihrem Schoss fest und greift mit ihrer Linken nach einem weiteren Stoffende. Ihr Blick ist leicht nach unten gerichtet, ihr langes braunes Haar zu einem Knoten hochgebunden. Der obere schematisiertere Hintergrund des Gemäldes ist in dunklen Braun- und Grüntönen gehalten und setzt einen ausgewogenen Gegenpol zum zarten Inkarnat des Frauenkörpers, der zudem mit der Ausleuchtung eindrucksvoll zur Geltung kommt. Die schimmernd dargebotene Blöße dieser sehr intimen Szene war für Renoir eine willkommene Projektionsebene, in der er all seine Phantasie und sein Begehren zum Ausdruck bringen konnte.

Renoir, der seine Modelle gerne in Montmartre fand, hielt die einfachen Frauen wie Bäcker- oder Näherinnen, Schauspielerinnen und Berufsmodelle fest. Bei der Dargestellten könnte es sich um die zunächst als Berufsmodell arbeitende und spätere Malerin Suzanne Valadon – Mutter von Maurice Utrillo – handeln, die ab etwa 1882/83 für Renoir Modell stand. Ihr eigenwilliges Naturell fasziniert neben anderen Malern auch Renoir und er pflegte mit ihr eine romantische Liebesbeziehung. Renoir hält sie u.a. in dem Porträt “Suzanne Valadon” um 1885 (Privatsammlung) fest, auf dem sie im Halbprofil mit hochgestecktem Haar, vollen Lippen und Stupsnase seitlich festgehalten ist. Gerade aufgrund der ähnlichen Frisur, der Nase und des ähnlich fülligen Frauentypus könnte unsere Frau die Künstlerin darstellen. Doch dies kann nur eine Vermutung bleiben.