Andreas Achenbach

Moor landscape with travellers in the afterglow

Details

Provenienz:
Seit den 1850er Jahren in Privatbesitz, Süddeutschland.

Description

Der 1815 geborene Andreas Achenbach gehört zu jener Generation von deutschen Malern, für die nicht mehr Italien Ziel ihrer künstlerischen Sehnsucht war. Im Gegensatz zu seinem Bruder Oswald, der ganz entscheidend das Italienbild in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägte, besuchte Andreas zwar Italien, doch blieb das Italienerlebnis bei ihm Episode. Stattdessen wurde er zum “Herrscher über Land und Meer”, wie ihn 1861 ein Rezensent bezeichnete, wurde zum Chronisten der nordischen Landschaft und erlangte mit seinen dramatischen Marinen schon früh in den 1830er Jahren Bekanntheit. Intimer und ruhiger, noch vom Geist der Romantik berührt, präsentiert Achenbach seine Heidelandschaft im Abendrot. Der verglühende Himmel, durch den Wolken ziehen, nimmt mehr als die Hälfte des Malgrundes ein, während sich darunter eine hügelige, durch sandige Grüntöne geprägte Landschaft bis zum Horizont erstreckt. Rot- und Ockertöne, in die sich teilweise Himmelsblau mischt, dominieren die obere Bildhälfte; der Himmel ist kontrastreich in einer Weise beleuchtet, wie sie Andreas im August 1845 gegenüber seinem Bruder Oswald äußerte: “Man muss die Beleuchtung mehr durch die Kontraste hervorzubringen suchen als nur durch Dunkelheit, denn Schwarz und Weiß machen keinen Effekt.” Präzise in der Ausführung und brillant in der Lichtführung ist das kleine Gemälde ein frühes Beispiel für Achenbachs virtuose Malerei und seine von den Zeitgenossen besonders geschätzte Fähigkeit, Pleinair–Effekte und –Stimmungen wiederzugeben. Zeichnerische Brillanz und koloristische Einheitlichkeit verdichten sich zu einer Schilderung atmosphärischer Erscheinungen, der poetische Stimmungen eigen sind, “daß sie tief in die Seele des Beschauers eindringen”, wie Wolfgang Müller von Königswinter 1854 in seiner Abhandlung über Düsseldorfer Künstler vermerkte. Es ist ein karger Landstrich, der von Verlassenheit und Einsamkeit erzählt – der Wanderer im Vordergrund, dahinter die alte Frau und Häuser bezeugen eine Landschaft, die zwar noch von romantischen Requisiten erfüllt ist – etwa die Figur des einsamen Wanderers und die atmosphärischen Hell-Dunkel-Effekte – doch ist deren symbolhafte Bedeutung einer subjektiven Schilderung des Naturerlebnisses gewichen, allerdings ohne dass Achenbach den Schritt zur Verselbständigung von Licht und Farbe anstreben bzw. vollziehen würde.
In jenen Jahren vor und um 1840 herrschten in Achenbachs Landschaften skandinavische Motive vor – er hatte 1835 zusammen mit seinem Vater Dänemark, Norwegen und Schweden besucht: “Große, besonders nordische Reisen bereichern früh seine Fantasie und gaben seinen Werken bald die überzeugende Wahrheit der Naturanschauung” in der “der Geist der Poesie ihn begleitet”, schrieb 1845 ein Zeitgenosse (Betrachtungen von Lorenz Clasen, in: Correspondenzblatt 1, Nr. 5, Juli 1845, S. 51). Diese “überzeugende Wahrheit der Naturanschauung” liegt auch unserer Heidelandschaft zugrunde, die allerdings kein Motiv aus Skandinavien, sondern aus heimatlichen Regionen wiedergeben dürfte.
Peter Prange