Details

Wir danken Katya Lin Lodge, Estate of Richard Lin Show Yu, für die freundliche Auskunft bei der Katalogisierung dieses Werkes. Seine Echtheit wurde durch das Estate von Richard Lin Show Yu bestätigt und es wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.

Ausstellung:
Ausstellung Ulmer Museum, 1974, S. 74, mit s/w Abb.

Provenienz:
Galerie Teufel, Koblenz (im Auftrag der Marlborough Fine Art Gallery, London), verso auf der Rückwand mit Etikett und Stempel;
Privatsammlung, Baden-Württemberg, 1971 bei Vorgenannter erworben, im Erbgang an die heutigen Besitzer.

Description

Richard Lin ist das bestgehütete Geheimnis der Minimal Art in Europa und ein Superstar in Asien. Obwohl er bereits 1964 an der documenta III teilgenommen hat, ist er in europäischen und amerikanischen Sammlungen und Museen kaum vertreten. Im Taipeh Fine Arts Museum hingegen zählen seine Werke zu den Highlights der Sammlung. Lin wurde 1933 in Taiwan geboren und kam bereits 1952 nach England. Er studierte in London und wurde dort schon früh von renommierten Galerien wie Gimpel Fils und Marlborough ausgestellt. Ab Ende der 1960er Jahre lebte er in Wales. Auf seine walisische Wahlheimat verweist auch die Komposition “The Estuary from the Drive”, 1971. Der namengebende “drive” ist die Straße, die von der Mündung des Ystwyth, wo sich Richard Lin mit seiner Familie häufig aufhielt, zu seinem Wohnort führt. Charakteristisch für Lins Werk ist der starke Bezug zum Material, er schuf zahlreiche Metallreliefs und die dreidimensionale Schichtung findet ihre malerische Umsetzung in seinen Leinwandarbeiten. Es geht um Flächen, deren Bezug zueinander und ihre Wirkung im Raum: Formal ist der Künstler klar dem Minimalismus verpflichtet. Sein experimenteller Umgang mit Farben und Formen, sein Anliegen, Farbflächen und -körper in einen Dialog mit Raum und Betrachter zu stellen, verleihen seinen feinstofflichen Kompositionen eine spirituelle Prägung.

Den Malgrund von “The Estuary from the Drive” bilden graue, fein nuancierte Farbfelder, darüber legt Lin einen horizontalen Streifen und eine schwarze Linie. Der zartgelbe Streifen auf der rechten Seite ist appliziertes Klebeband. Links der Bildmitte zieht Lin eine feine schwarze Linie mit Tusche, ihr sieht man deutlich die ausführende Hand an. Der unvermeidliche, etwas dickere Auftrag der Tusche beim Ziehen einer Feder am Anfang und Ende verleiht der Komposition etwas Fragiles, zutiefst Menschliches, es ist der Kontrapunkt zu Strenge und Perfektion des Bildaufbaus. Darin zeigt sich eine Haltung, die wir auch von anderen namhaften Minimalisten dieser Prägung kennen, wie zum Beispiel Blinky Palermo oder Agnes Martin.