Emil Nolde

Dahlias, sun hat and daisies

Details

Mit einer schriftlichen Fotoexpertise von Professor Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 28.10.2020. Das Werk ist in seinem Archiv unter der Nummer Nolde A – 188/2020 registriert und dokumentiert.

Provenienz:
Margarete Clausen, Halle, in den 1930er Jahren erworben;
Grisebach, Berlin 26.11.2015, Los 22;
Privatsammlung, Berlin.

Description

“Farben waren mir ein Glück und mir war es, als ob sie meine Hände liebten”. Emil Nolde

Emil Nolde, der seiner Nachwelt eine Vielzahl von Aquarellen hinterlassen hat, wendet sich erst ab etwa 1916/18 in dieser Technik der Blumenwelt zu. In zahlreichen Variationen drückt er seine Liebe für dieses Sujet aus. Fast 40 Jahre prägen sie sein künstlerisches Schaffen und stellen einen wichtigen Teil seines Œuvres dar. Dabei steht für ihn nicht die botanische Beobachtung im Vordergrund, sondern allein die Freude an farbintensiven Kompositionen voller Stahlkraft und Lebensenergie. Die unterschiedlichen Blumensorten bleiben stets erkennbar, auch wenn er die Formen vereinfacht darstellt. Hierbei führt er seine Komposition mit Unterstützung des beim Malprozess angefeuchteten Japanpapiers und der Verwendung von dünnflüssigen Farben aus und schafft damit sich zufällig ergebende Farbverläufe. Er verwendet dies ganz bewusst als Gestaltungsmittel und erzielt damit außergewöhnliche und zufällige Ergebnisse. Kein Aquarell gleicht dem anderen.

Ein besonders ausdruckstarkes Beispiel ist das hier vorliegende Blatt, das eine enorme Dichte der vielen unterschiedlichen Blüten zeigt. Nolde hebt vor allem die Blüten hervor und zeichnet nur am unteren Blattrand mittig etwas klarer einzelne Blütenstängel. Jede Blumenart arbeitet er in charakteristischen Schattierungen und gekonnten Farbverläufen heraus: rechts die zart weißen Margeriten, über den orangefarbenen Dahlien am oberen linken Rand bis zum gelben Sonnenhut am linken Blattrand. Dem Betrachter treten die Blüten in ihrer sommerlichen Strahlkraft unmittelbar gegenüber und zeugen von der Meisterschaft Noldes. Die Blüten scheinen fast aus der diffus-grauen Fläche zu explodieren. Der blau gehaltene untere Teil des Blattes rechts und links gibt dem Ganzen Halt und Ruhe.

Margarete Clausen hat das Aquarell in den 1930erJahren erworben. Wie man aus ihrer im Archiv der Nolde Stiftung Seebüll erhaltenen Korrespondenz mit Nolde ersehen kann, hatte sie in den 1930/40er Jahren Kontakt zum Künstler. Im Jahre 1936 hat sie das Gemälde “Blumenfamilie”, eben in diesem Sommer oder Frühherbst entstanden (WVZ Urban 1166), von Nolde für ihre Sammlung erworben, vielleicht in Verbindung mit unserem Aquarell.