Auktion 282 | 06.06.2018 11:00 Uhr | Moderne Kunst

Franz von Stuck | Wettlauf

Franz von Stuck: Wettlauf
Franz von Stuck: Wettlauf
Franz von Stuck: Wettlauf

Los 514N – Highlight

  • Ergebnis:  75.000*
  • Auktionsinfo

    6. Juni 2018
    Moderne Kunst

    LOVIS CORINTH
    Tulpen, Flieder und Kalla, 1915.
    Öl auf Leinwand. Ca. 63 x 50 cm.
    Ergebnis (inkl. Aufgeld): € 337.500

     

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Franz von Stuck

1863 Tettenweis – München 1928

Wettlauf

Öl auf Leinwand. 1927. Ca. 66 x 75 cm. Signiert und datiert unten rechts. Im Originalrahmen, verso mit dem Stempel des Rahmenmachers Georg Oberndorfer, München.

Details

Voss 604/87.

Ausstellung: Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 1927, Kat.-Nr. 2613;
Galerie A. Gerstenberger, Chemnitz 1928, Kat.-Nr. 11.

Provenienz: Albert Heilmann (Schwiegersohn des Künstlers und Ehemann der Tochter Mary), Villa Stuck, München, verso Etiketten auf Leinwand, Keilrahmen und Rahmenrückseite;
über die Bayerische Staatsgemäldesammlung in Raitenhaslach ausgelagert, verso mit der Nr. auf einem Etikett;
Central Collecting Point, München, dort am 13.12.1945 registriert, verso auf dem Rahmen und dem Keilrahmen mit der handschriftlichen Nr. in Blau;
am 17.11.1948 restituiert an Konsul Heilmann, Äussere Prinzregentenstr. 4, München;
Privatsammlung, Schweiz.

Beschreibung

Es ist nicht leicht, in Zeiten erregter „MeToo“-Debatten ein solches Gemälde zu präsentieren, auf dem zwei männliche Wesen der Schöpfung einen Wettlauf um eine nackte Schöne veranstalten. Doch vor knapp hundert Jahren, als Stucks Gemälde entstand, war der Diskurs ein ganz anderer: Stucks Gemälde kann symbolhaft für jene erotische Freizügigkeit und sexuelle Libertinage in der Weimarer Republik stehen, die auch München erreicht hatte. Um 1900 hatten zahlreiche Veröffentlichungen, die sich Fragen von Begierde und Trieben, sexuellen Neigungen, ganz allgemein dem Verhältnis von Mann und Frau widmeten, das Gebiet der modernen Sexualforschung begründet. Die Geschlechterpolarität manifestierte sich in der Folge als ein Grundprinzip der modernen Gesellschaft, das auch in den Künsten lebhaft diskutiert wurde. Stucks sexualisierte Lesarten von theologischen Themen wie Sünde und Versuchung, von Hölle und Verdammnis bringen die Symptome eines tiefgreifenden Umbruchs und der damit einhergehenden allgemeinen Verunsicherung zum Ausdruck, die allgemein prägend für die Jahrhundertwende war. Stucks Protagonisten lassen ihrer physischen Stärke und Genussfähigkeit, ihrer Sexualität freien Lauf: Auch auf unserem Gemälde, das Anspielungen auf den für die Menschheitsgeschichte so bedeutsamen Sündenfall freisetzt, ist das Geschehen frei von Konventionen oder Zwängen – der Wettlauf ist noch nicht entschieden, doch die schöne Nackte kokettiert mit dem, was noch kommen mag. Sie ist jene „Femme fatale“, die die in einem archaisch-mythischen Urgrund wurzelnde weibliche „Natur“ repräsentiert, die der Mann gleichermaßen begehrt und fürchtet. Stuck verlegt das Geschehen in ein zeitloses Ambiente, das nicht ohne Grund an altägyptische Mythologien erinnert; die Rezeption der französischen Salonmalerei, namentlich eines Leon Gérome, ist offensichtlich. In Stucks Gemälde vermischen sich Mythologie und Historie, Allegorie und Symbolik, Vergangenheit und Zukunft. Noch einmal gibt Stuck kurz vor seinem Tode mit dem Gemälde, das eine andere Lesart seines „Kampfes um das Weib“ – ein Gemälde, das Stuck im Übrigen auch 1927 beschäftigt hatte – vorstellt, einen Einblick in seine Gedankenwelt. Die Frage nach den Leitbildern seines Schaffens hatte Stuck einmal so beantwortet: „Bei der Wahl meiner Stoffe gehe ich darauf aus, nur das Rein-Menschliche, das Ewig-Gültige zu machen, so die Beziehung vom Mann zum Weib. Auf den meisten meiner Bilder ist ‚Er’ und ‚Sie’.“ Dr. Peter Prange

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